Heartstopper – Graphic Novels vs. Netflixserie

Seit dem 22. April 2022 beherrscht eine neue britische Teenie-Serie die Netflixcharts: Heartstopper. Basierend auf den queeren Graphic Novels von Alice Oseman, verlieben sich an einer englischen Grammar School die beiden Teenager Nick und Charlie ineinander. Während Nick ein beliebter, selbstbewusster Rugbyspieler ist, erscheint Charlie eher leise und durch seine Mobbingvergangenheit geprägt. Die Zuschauer:innen können Charlies erste Begegnung mit Nick, dessen persönliche und sexuelle Selbstfindung und schließlich die Beziehung der beiden Jungen verfolgen.

Zunächst muss gesagt werden, dass die erste Staffel der Netflixserie nur die ersten beiden Graphic Novels umfasst, jedoch sind bereits zwei neue Staffeln von Netflix angekündigt. Im Hinblick auf die Comics stechen besonders einige Details ins Auge, zum Beispiel das Auftreten zwei neuer Charaktere in der Serie: Imogen & Isaac. Mit Imogen, die zunächst sehr an Nick interessiert ist, werden neue lustige, aber auch ernste Szenen ermöglicht, beispielsweise sind die Fans begeistert von ihrer Unterhaltung mit dem Paar Tara und Darcy:

Imogen: „I’m not like homophobic. I’m an ally.“

Tara: „Congratulations!“

Darcy: „We thank you for your service.“

Auch Isaac ist ein wichtiger, wenn auch unscheinbarer Charakter, der Charlies Freundesgruppe um ein ruhiges, vernünftiges Mitglied erweitert, welches in den Trubel zwischen Tao und Charlie etwas Gelassenheit bringt. Außerdem kommt der Charakter Alad, welcher in den Graphic Novels als Freund Charlies erscheint, nicht in der Serie vor. Auch wenn der Regisseur Euros Lyn diese Dinge verändert hat, steht er in enger Zusammenarbeit mit der Graphic-Novel-Autorin Alice Oseman und gibt mit ihrer Unterstützung sein Bestes, die beliebten Graphic Novels im Serienformat umzusetzen. Beibehalten wurde zum Beispiel das Design der herumfliegenden Blätter, welche in den Comics und auch in der Serie in besonders herzerwärmenden Momenten auf dem Bildschirm erscheinen. Und dies scheint er erreicht zu haben: Das Feedback auf Bewertungsplattformen ist größtenteils sehr positiv.

Für jeden Erwachsenen, der sich an überlebte Highschool-Jahre als schwules, lesbisches oder bisexuelles Kind erinnert, ist es der Valentinstag, den wir nie bekommen haben.

https://www.rottentomatoes.com/tv/heartstopper/s01

Hierbei spricht der/die Kritiker:in den Punkt an, dass die Serie auf die jüngeren queeren Generationen einen stark positiven Einfluss nehmen wird. Schon wenige Tage nach dem Release der Serie erzählen Jugendliche über ihre Erfahrungen mit Sexualität und wie Heartstopper diese beeinflusst hat. So erzählt uns eine Mitschülerin:

Besonders Nicks Outing-Szene war sehr emotional für mich. Auch wenn ich bereits bei meiner Mutter geoutet bin, hätte ich mir gewünscht, dass ich Heartstopper schon früher gesehen hätte und mir dadurch vielleicht die Angst vor meinem Outing genommen worden wäre.

Schülerin der 10. Klasse

Besonders gelobt wurde außerdem die diverse Auswahl der Schauspieler, bei welcher darauf geachtet wurde, tatsächlich queere Schauspieler für die queeren Charaktere einzusetzen. Dies wird oft bei der Produktion anderer Serien und Filmen vernachlässigt, was von vielen als Kritikpunkt genannt wird. Nicht jedoch im Casting für Heartstopper, bei welchem für den transgender Charakter Elle sogar ein weltweites Casting eröffnet wurde, um eine passende Schauspielerin zu finden. Bekommen hat die Rolle dann die Schauspielerin Yasmin Finney, welche sich inzwischen eine richtige Community auf Tiktok aufgebaut hat. Auch die anderen Schauspieler*innen sind auf der Plattform vertreten.

Nach dem Ansehen der Serie haben wir unsere drei Lieblingsmomente ausgesucht:

  1. Als Nick Harry im Kino schlägt, nachdem dieser homophobe Bemerkungen über Charlie gemacht hat
  2. Nicks Outing bei seiner Mutter
  3. Als Nick und Charlie im Schnee mit Nellie, Nicks Hund, spielen

Insgesamt hat „Heartstopper“ Eindruck hinterlassen, bei den Zuschauern und auch in der Welt der Serien. Der Hype um die Serie sowie um die Graphic Novels beweist es: Diversität und deren Repräsentation muss dringend mehr Raum in den Medien und Serienformaten erhalten, um das Thema zu normalisieren und aufzuklären.

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