Ein Schultag im Jahre 2040 erlebt von Emma – Eine Kurzgeschichte
Ich suchte verzweifelt nach meinem Bus. Der erste Schultag war immer der schwerste Tag nach den Sommerferien. Und mit den Bussen war es noch komplizierter geworden, es gab jetzt verschiedene Abteilungen: den Bus für Grundschüler, den Bus für die höheren Schulen und einen getrennten nur für Passanten, da konnte man leicht den Überblick verlieren. Den ich auch verloren hatte. Hilfesuchend schweifte mein Blick zur großen elektrischen Tafel, die im Unterstand der Bushaltestelle hing. Doch meine Stärke waren noch nie Fahrpläne gewesen, also trat ich wieder hinaus und freute mich beim Anblick meiner Freundin Kate, die die Straße hochgelaufen kam. Die Sommerferien waren für sie nicht so cool gewesen, da ihr Freund gleich am Anfang mit ihr Schluss gemacht hatte. Mit der Begründung, er habe keine Lust mehr, der main-char-burnout in der Klasse zu sein. Völlig außer Atem sprang sie mir in die Arme. „Yo synced, Emma?“ fragte sie gut gelaunt. „Nah, 15% sind schon verschwunden bei der Suche nach dem Bus“, antwortete ich genervt. „Ich bin in deinem Code“, antworte sie nicht weniger genervt. „Wie ist dein Heartcode? Stabil oder am ablosen?“, fragte ich etwas vorsichtiger. „Ich hab es endlich geschafft, ich bin heartpatched, ich habe beschlossen, Tom aus dem Weg zu gehen und mir vorgenommen, dieses Schuljahr vollkommen unrizzable zu sein!“, kam es willensstark von ihr. „This upload slaps, Girl!“ Wir lachten beide und genau im perfekten Moment kam unser Schulbus. Wir stiegen ein und ließen uns in einen Zweiersitz fallen. Der Bus war groß er hatte abgedunkelte Fenster, die Sommer wurden schließlich immer heißer, doch man wusste immer noch genau, wo man war. Die Schulbusse waren jetzt gelb wie in Amerika, da man sie mit diesem grellen Gelb besser auf der Straße erkennen konnte und die Sitze waren auch viel gemütlicher geworden, dafür hatten sie keine Muster mehr, sondern waren einfarbig. Hinter uns nahmen zwei junge Männer Platz. Ich wunderte mich noch, was sie im Schulbus zu suchen hatten, doch dann unterhielten sie sich und mein humour chip crashte. Der eine hatte seinen Satz doch tatsächlich mit „Digga“ angefangen und der andere irgendwas mit „Ich fühl dich und rede, Bruder, rede“ geantwortet. Kate schaute mich an und wir konnten uns das Lachen kaum verkneifen, da diese Wörter total out sind. Unmöglich, dass die beiden noch Schüler sind, so redet doch kein Mensch mehr. Sie waren wohl im falschen Bus gelandet.
An der Schule stiegen wir aus. Neben uns drängelte sich ein Junge vorbei und rannte aus Versehen einen älteren Mitschüler um, der gleich Stress schob. Es war leider kein Geringerer als Tom. Er war in der achten Klasse und Kates Ex-Freund und er begann sofort, den Kleinen zu tyrannisieren. Ich wollte ihm helfen, doch Kate war schneller, sie schubste Tom von dem Sechstklässler weg und signalisierte ihm, er solle verschwinden. Und Kate holte aus: „ALTER ,WAS FÄLLT DIR EIN, IHN SO ANZUBLÖDEN? DU BIST JA VOLL DAS VIRUS-TIER GEWORDEN!!“ Mit diesen Worten ließen wir ihn völlig verdattert stehen.
Ich zog Kate weiter, wir waren schon fast zu spät. „Du protocol tyrant deluxe, chill mal! Wir haben noch sieben Minuten, reicht dicke bis zu unserem alten Klassenraum!“ Ich streckte ihr die Zunge raus, aber sie sollte recht behalten. Wir erreichten unseren alten Klassenraum pünktlich. Unser Klassenlehrer war gleich geblieben und zur Überraschung aller schon da. Er begrüßte uns freundlich und wir setzten uns an die Fenster Seite des Klassenraums. Schon gestern war eine Schulmail gekommen, dass wir zum Beginn des Schuljahres wieder einen Einstufungstest machen würden, der uns mit KI ausgewertet in Lerntyp-Kategorien einteilen würde. Während mich das eigentlich gar nicht interessiert hatte, war ich gespannt auf die angekündigte, aber nicht näher beschriebene große Veränderung, die es dieses Schuljahr geben würde.
So langsam trudelten die Schüler und Schülerinnen in den Klassenraum und setzten sich auf die freien Plätze. „Liebe Schüler und Schülerinnen, ich freue mich, Sie zu einem weiteren tollen Schuljahr begrüßen zu dürfen. Wie letztes Jahr machen wir zuerst den Einstufungstest, der etwa 90 Minuten in Anspruch nehmen wird. Machen Sie es ordentlich, die KI muss Ihre Schrift lesen können! Danach informiere ich Sie über die angekündigte Veränderung teile Ihnen Ihr Schul-IPAD aus. Danach kommen wir zum Sporttag der Woche, aber erst mal alles der Reihe nach. Ich teile ihnen jetzt den Test aus, beantworten Sie die Fragen bitte selbst und schreiben Sie nicht beim Sitznachbarn ab, nur um möglichst in die gleiche Klasse zu kommen. Es bringt Ihnen nichts, wenn sie eigentlich ein kommunikativer Lerntyp sind, aber in der Klasse ihres besten Freundes kommen, der ein auditiver Lerntyp ist. So, das war es auch schon mit meinem Vortrag. Die Tests sind verteilt und ich wünsche ihnen gutes Gelingen!“
Die erste Frage war:
In Vorlesungen oder bei Vorträgen
- muss ich nachträglich Aufgaben zum Thema lösen
- brauche ich Handouts zum Mitlesen
- merke ich mir viel durch das Zuhören
- helfen mir Folien und Zeichnungen
Die zweite Frage war:
Beim Lesen eines Kapitels…
- markiere ich viel und strukturiere mit so den Text
- brauche ich Aufgaben zur Anwendung
- helfen mir Abbildungen und Schaubilder
- fasse ich mir das Wichtigste selbst schriftlich zusammen
Und so ging es weiter, bis ich schwungvoll die letze Frage beantwortet hatte (es gab insgesamt 75 Fragen). Ich war auch relativ knapp fertig geworden, noch zwei Minuten, dann war Abgabe. Kate starrte in meine Richtung, um zu schauen, ob ich schon fertig sei. Als ich zwei Daumen in die Luft streckte, lächelte sie und unser Lehrer schaute in unsere Richtung und unterbrach die Stille. „Also, 90 Minuten sind rum, ich sammele jetzt ein und in 20 Minuten schickt die KI euch die Ergebnisse. Er ging an meinem Tisch vorbei und er zog meinen Test ein. Er packte sie in seine Tasche in eine Folie und hob zu seiner zweiten Rede für heute an: „Den ersten organisatorischen Teil haben wir geschafft und nun kommen wir zur Überraschung: Ihr wisst ja, dass Handys grundsätzlich verboten sind, also hat unsere Schule beschlossen, euch Handys für die Schule zu geben!“ „No way!! JOY.EXE EXPLODED!“ „Ich schwöre mein Mainframe is full happy mode!!“ „Signal UP! ULTRA W incoming!!“ „Ey vibe overload! DAS SO CRAZY!“ „100% Geile Sache! system boost aktiviert!!“ „Jaa, haha, wir sind literally hyped to the cloud!“ Solche und ähnliche Sätze schrien alle durcheinander. „RUHE; RUHE!! Ich bin noch nicht fertig! Natürlich lassen wir euch nicht mit normalen Handys rumlaufen. Auf diesen Handys ist nur eine App, und zwar unsere Schulapp. Auf dieser tragen wir eure Hausaufgaben ein und es gibt eine Karte der Schule, mit der euer Stundenplan synchronisiert ist und die Map führt euch zum Raum. Ihr könnt die Uhrzeit schauen und ebenfalls Schulnachrichten lesen. Wenn ihr also mit diesem Handy gesehen werdet, ist es kein Problem, eure Smartphones bleiben besser in der Tasche, sonst wird es wie gehabt einkassiert!“ „Alter, was das erst voll geil und ready und dann kommt so ein hype crash!“ „Instant vibe drop“, dachte ich. Herr Ohrmann holte einen Karton, in dem sich Handys stapelten, zog eines heraus und hielt es in die Höhe. Es war eigentlich ein normales iPhone, aber hatte eine große blaue Handyhülle, an der man sofort erkennen würde, wenn man stattdessen sein eigenes Handy in der Hand hielte. Er teilte sie aus und ich schaute meines skeptisch an, tippte darauf und entsperrte es. Unser Lehrer hatte recht gehabt, es gab wirklich nur eine App. Ich klickte darauf und mir wurde sofort eine Liste mit AGs angeboten, die wir dieses Jahr belegen könnten. Wir mussten mindestens zwei haben und ich wählte drei Sportarten: Schwimmen, Ballett und Tennis. Tennis spielte ich, seit ich klein war, früher noch im Verein, aber seitdem es seit letztem Jahr auch in der Schule angeboten wird, wählte ich es. Tatsächlich stand auch schon bei unserem Stundenplan Mittwoch dann schon meine Sport Hobbys. Denn wir hatten immer nur einmal in der Woche Schulsport, aber dann aber intensiv und einen ganzen Vormittag, da 2030 herauskam das Jugendliche im Alter von 14 Jahren mit allen ihren sportlichen Hobbys aufhören und sich nicht mehr in der Woche bewegen. Exakt in dem Moment, als ich meine AGs gewählt hatte, kam schon eine Nachricht , in der mir mein Lerntyp mitgeteilt wurde. Ich klickte darauf, überflog die Nachricht und scrollte zu meinem Ergebnis: visueller Lerntyp. Ich schaute zu meiner Freundin und versuchte ihr, pantomimisch klarzumachen, dass ich ein visueller Lerntyp bin. Sie verstand es und deutete auf ihre Ohren, also war sie ein auditiver Lerntyp. Leider waren wir also nicht in einer Klasse, aber wir werden uns ja immer in den Pausen sehen.
Jetzt begann der richtige Schultag, ich packte meinen Krempel zusammen und holte mir bei meinem Lehrer noch mein Schul-iPad ab, da wir seid 2030 keine Blätter mehr benutzten, weil es besser für die Umwelt ist. Es ist nur Goodnotes drauf, die Kamera, alle Schulbücher und unsere Schulapp, also ähnlich wie bei unseren Schulhandys, doch sehr praktisch, da man viel mehr nicht mitbringen musste und man nicht schwer tragen musste. Da wir jetzt aber noch zwei Stunden Unterricht hatten, verabschiedete ich mich von Kate, tippte in mein Schulhandy meinen Klassenraum ein und folgte dem Schulnavi.
Ich stand vor meinem neuen Klassenraum, hier würde ich mein nächstes achtes Schuljahr verbringen. Ich drückte die Türklinke hinunter und trat ein: Der Raum war groß, er hatte große offene Fenster, durch die die Sonne in mein Gesicht strahlte. Er hatte viel Platz für Tische und Stühle, die Zweiertische standen in insgesamt vier Reihen und wir waren in meiner neuen Klasse nur 20 Leute. Es gab zwei Tafeln: Die eine größere natürlich eine digitale Tafel und eine etwas kleinere Kreidetafel (Sie wird aber nur noch benutzt, wenn das WLAN gar nicht mehr läuft). Ein großes Lehrerpult war vorne mit einem verstellbaren Stuhl. Unsere Stühle waren nicht mehr diese Holzstühle, sie hatten eine ergonomische Wölbung für den Rücken und waren aus Plastik, also nichts, an dem man sich die Haare ausreißen könnte. Unsere Tische waren mit einer größeren Arbeitsfläche ausgestattet. Ich setzte mich wie immer in die dritte Reihe an die Fenster Seite, so hatte ich einen wunderbaren Ausblick auf das Schulgelände. Die Fenster standen offen und der Wind ging leicht durchs Zimmer, ich holte mein Schulhandy heraus und schaute nach, welches Fach wir überhaupt hatten: Deutsch mit Frau Blumentopf. „Ähm, sorry, aber ist neben dir noch frei?“ fragte ein Junge mit braunen Locken und blauen Augen. „Äh, ja klar, setz dich ruhig“, antwortete ich etwas verdattert und überrascht, aber er lächelte mir zu und ließ sich neben mich fallen. Ich war gespannt wie er sich als Sitznachbar machen würde, wer weiß vielleicht passiert ja noch mehr. Er hatte ja schon mal einen guten Eindruck gemacht dachte ich mir. Da wuselte auch schon Frau Blumentopf herein und begrüßte ihre neue Klasse. Sie galt als vergleichsweise locker, ihr war egal, ob wir im Unterricht aßen oder tranken, was ich sehr gut fand. Abgesehen davon begann sie auch gleich mit dem Unterricht, also klappte ich mein iPad auf und machte mir Notizen, dann ließ sie aber schon von ihrem iPad unsere IPads „gefrieren“, damit wir sahen, was sie als Tafelbild aufschrieb und uns nicht ablenkten. Dann machte man sich einen Screenshot. Die letzten Minuten der Doppelstunde Deutsch zogen sich wie Kaugummi. Mir fiel mir auf, das wir extrem viele Skizzen gemacht hatten und viele Schaubilder, und an unseren Klassenraum Wänden war ganz viel Platz für Plakate oder andere Lernbilder. Also machte es doch schon was aus, in welche Lerntyp-Klasse du gehst, dachte ich. Nachdem ich den Klassenraum verlassen hatte, erkundigte ich mich noch schnell, wo am kommenden Mittwoch meine Sporträume sind, damit ich am Mittwoch nicht in Panik suchen muss. Irgendwie freute ich mich schon richtig auf Mittwoch, nicht nur weil es der Sporttag war, den ich mochte, sondern weil die Räume zum Beispiel für Ballett schon von außen gut aussahen, konnte ich es kaum erwarten, sie von drinnen zu sehen, ebenso die Tennisplätze und das Schwimmbad.
Jetzt musste ich mich beeilen, wenn ich meinen Bus nach Hause noch erwischen wollte. Also sprintete ich los und erwischte meinen Bus noch gerade so. Kate war schon nach Hause gefahren, da sie es unnötig gefunden hatte, sich die Sporträume für Mittwoch mal an zuschauen, aber egal. Meine Vorfreude hatte es nur noch mehr gesteigert. „Die KI hat wohl echt richtig gelegen,“ dachte ich, „bin wohl wirklich ein visueller Typ.“ Ich hatte das Gefühl, dass das ein richtig gutes Jahr werden würde und ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen.
Übersetzung der potentiell 2040 verwendeten Jugendwörter/Jugendsprache: main- char-burnout: nicht mehr im Mittelpunkt stehen; Yo synced?: Alles klar bei dir?, Ich bin in deinem Code: Ich fühle, ich verstehe dich; Heartcode stabil oder am abloosen: Wie geht es dir mit der Trennung, hast du es verarbeitet oder nicht?; Ich bin heartpached: Ich bin über die Trennung hinweg; unrizzable: Niemand kann mir dieses Jahr einen Crush geben, ich werde keinen Crush haben; this upload slaps: diese Neue Version von dir gefällt mir; my humor chip crashes: mein Hirn kann nicht mehr, ich lachte mich kaputt; Virus-Tier: extrem toxisch, verbreitet Chaos und Probleme wie ein Virus; protocol tyrant deluxe: extremer „Control Freak“; als die Schüler wegen der Handys durchdrehen, verschiedene Ausdrücke der Freude, gefolgt von jenen der Enttäuschung.
Beitragsbild: erstellt mit fobizz KI

