Theater! Theater!

VIEL LÄRM UM NICHTS
02. und 03.07.2013, 20 Uhr, 
Kloster Karthaus

Inhalt

Ein junger Kriegsheld verliebt sich in ein junges schönes Mädchen und will sie auf der Stelle heiraten. Ihre Zustimmung erwirbt er sich im Sturm. Sie hat eine Vorliebe für große Gefühle. Dem Liebesglück der beiden stellt sich ein schwermütiger Intrigant in den Weg, der mit seiner Traurigkeit nichts Besseres anzufangen weiß, als Unheil zu stiften. Dieser überzeugt den jungen Mann durch trügerischen Augenschein davon, dass die heiß Geliebte ihn in der Nacht vor der Hochzeit mit einem anderen betrüge. Für den Heißsporn gibt es kein Halten mehr: Nicht nur dass er die Hochzeit platzen lässt, er will die gerade noch wie eine Göttin Verehrte zerstören, will ihre Bloßstellung vor der Welt als Hure, will sie gesellschaftlich geächtet und in den Dreck gestoßen sehen. Claudio heißt dieser junge Mann aus Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ und seine arme unglückliche Braut Hero.

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Figuren

Und besonders dieser Claudio und sein Handeln sorgten bei den Proben der Theatergruppe für lebhafte Diskussionen: Ist es ein Beweis für die Stärke und Kraft seiner Liebe, dass er seine Gefühle überhaupt nicht unter Kontrolle hat und sich derart gegenüber Hero vergisst und sie aufs Schlimmste erniedrigt? Andererseits kündigt er Heros Bloßstellung mehrfach vorher an, er führt sie also bewusst und kalkuliert aus, lässt die ganze Hochzeitsgesellschaft erscheinen, um seinen Vernichtungsfeldzug gegen Hero so wirksam wie möglich zu machen. Auch streift ihn nicht einmal der Gedanke, Hero könne unschuldig sein. Jedoch ist er Hero so innig und aus tiefstem Herzen zugetan, dass man an seiner Liebe nicht zweifeln kann. Oder doch? Vielleicht ist auch der Druck für ihn zu groß, als Mann sich vor der Welt nicht von seiner Frau betrügen lassen zu dürfen, ohne selbst Gegenstand verächtlichen Spotts zu werden? Von nichts ist in Shakespeares Stück so häufig die Rede wie von den Hörnern, die einem Mann aufgesetzt werden, wenn seine Frau ihn mit einem anderen betrügt. Der „Gehörnte“ ist die lächerliche Figur par excellence. Die Angst davor, ein Schicksal als „gehörnter“ Ehemann zu erleiden, treibt Benedikt, einen Freund Claudios, dazu, von vorneherein nicht heiraten zu wollen. Genauso wie der Blick auf die Untreue der Männer Beatrice, Heros Cousine, ihr Glück herausfordernd und provozierend auf einer „Wolke der Unverheirateten“ suchen lässt. Dabei passen Beatrice und Benedikt doch so trefflich zusammen, vor allem was die bissig-aggressive Schlagfertigkeit angeht, mit der sie am jeweils anderen kein gutes Haar lassen. Man wird sehen.

Inszenierung

Die Diskussionen während der Proben, die zu keiner endgültigen Einigung führten, wurden zum Motor der Inszenierung, insofern den Zuschauern die unterschiedlichen Möglichkeiten, die Figuren zu verstehen, vor Augen geführt werden sollen. Man wird während der Aufführung Gelegenheit haben, sich selbst die Frage zu stellen, was man von den Figuren hält und was für einen selbst eigentlich Liebe ist. Konfrontiert wird man dabei mit einer Beobachtung, die Shakespeare in seinem Stück mit großer Wucht in Szene setzt: Liebe findet nie – auch und besonders nicht, wenn sie gerade zart erwacht – nur in einem intimen Raum der Zweisamkeit statt, sondern zugleich auch in einer Öffentlichkeit, die auf diese Liebe einen nicht unbeträchtlichen Einfluss nimmt. Ganz einfach gesagt: Treibt es die knutschenden Schülerliebespaare, die als Hindernis im Hauptverkehrsstrom stehen, so zueinander hin, dass sie alles um sich vergessen, oder wollen sie gerade von der ganzen Welt oder zumindest von der Schulöffentlichkeit als Liebende wahrgenommen werden? Shakespeares Figuren sind ganz nah bei uns.

von Thomas Edelmann

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