„Wer Auschwitz-Birkenau überlebt hat, hat zwei Leben. Ein Leben vor Auschwitz und ein Leben nach Auschwitz. ”

Über die Erzählung einer Zeitzeugin am Gymnasium Konz – 13.05.2013

Ein Beitrag von Renée Sch. und Samira St.

„Wer Auschwitz-Birkenau überlebt hat, hat zwei Leben. Ein Leben vor Auschwitz und ein Leben nach Auschwitz ”. So beginnt Éva Pusztai (Mädchenname Fahidi) ihre Erzählung über Erinnerungen an das Konzentrationslager Auschwitz – Birkenau und die Arbeit in der Rüstungsfabrik in Allendorf in der Zeit des Nationalsozialismus.

Herzlich empfängt Éva Fahidi die knapp 120 Schüler der 10. Klassen. Die Ungarin hat den weiten Weg nach Konz gefunden, um uns zwei Stunden lang von ihren Erlebnissen während des Holocausts zu erzählen und sich unseren Fragen zu stellen. Es dauert nur wenige Minuten, bis uns ihr trauriges Schicksal in seinen Bann zieht.

Erstaunlich finden wir, wie positiv sie als Jüdin auf deutsche Schüler reagiert, und sind verwundert, dass sie sehr gut deutsch spricht, obwohl sie in Budapest (Ungarn) lebt. Sie stammt aus Debrecen in Ost-Ungarn und hat eine glückliche Kindheit mit ihrer gesamten Familie verbracht, bis sie schließlich 1944 als junge Jüdin mit 18 Jahren zwangsweise nach Auschwitz verschleppt worden ist.

Éva Fahidi

Eindringlich erklärt sie uns, wie das grausame Vorgehen der Nationalsozialisten abgelaufen sei und man sie ausgebeutet habe, sodass ihnen nichts mehr geblieben sei, als die Kleidung, die sie am Leib getragen hätten. Sie fordert uns auf, wir sollten uns vorstellen, nichts würde mehr uns gehören, keine persönlichen Gegenstände, geschweige denn materielle Wertsachen wie unsere Handys (für jeden Schüler wohl sein Weltuntergang), nicht einmal unsere eigenen Haare dürften wir behalten. So sollen wir uns wenigstens für einen kurzen Moment vorstellen, was ihr und den anderen Juden bei der Deportation widerfahren ist.

Direkt nach ihrer Ankunft im Konzentrationslager wird sie von ihrer gesamten Familie getrennt, die, wie sie später erfahren hat, vergast und schließlich in Krematorien verbrannt wird. Zum grauen Alltag der deportierten Juden gehört der sogenannte „Appell“, bei denen sie nackt auf dem Hauptplatz des KZs in Fünferreihen stehen müssen, um gezählt und auf Arbeitsfähigkeit geprüft zu werden. Sie berichtet von ihren Erlebnissen in den Baracken und wie sie unter den katastrophalen Umständen gelitten hätten.

Éva in Ausschwitz, kahlgeschoren und in Häftlingskleidung
Éva in Ausschwitz, kahlgeschoren und in Häftlingskleidung

 

Nachdem sie sechs Wochen im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau verbracht hat, wird sie am 16.08.1944 in das Arbeitslager Allendorf in Deutschland gebracht, in dem sie acht Monate schwerste körperliche Arbeit leisten muss und dabei 1/3 ihres Körpergewichts verliert. Im April 1945 werden sie und 1000 weitere jüdische Frauen schließlich von den Alliierten befreit und Éva Fahidi kehrt in ihre Heimat zurück, wo sie bei ihrem Onkel unterkommt.

Éva Fahidi 3

Über sechs Jahrzehnte dauert es, bis sie ihr Schicksal soweit verarbeitet hat, dass sie darüber das Buch „ Die Seele der Dinge“ schreiben kann und damit großen Erfolg erzielt. Durch das Interesse der Menschen an ihrer Geschichte beschließt sie, gerade Jugendliche in unserem Alter über die Judenverfolgung (Holocaust) aufzuklären, um diese nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Besonders in Erinnerung bleibt uns nach dem Gespräch mit Frau Fahidi ihr Rat auf die allgemeine Frage vieler Schüler, warum man fünfmal in der Woche zur Schule gehe und lerne. Sie bittet uns eindringlich, klug und wissbegierig zu sein, damit wir uns nichts von anderen Menschen einreden lassen, ohne dabei unseren Verstand einzusetzen und die Aussagen anderer kritisch zu hinterfragen. Eine Gehirnwäsche wie im Nationalsozialismus dürfe nie mehr möglich werden.

Wir bedanken uns bei einer bewundernswerten Frau, die eine der grauenvollsten Zeiten in der Geschichte nicht nur überlebt hat, sondern auch einen Weg gefunden hat, damit umzugehen und ihr Wissen darüber weiterzugeben.

Éva Fahidi 2

Frau Fahidis Buch: Die Seele der Dinge: Herausgegeben im Auftrag des Internationalen Auschwitz Komitees, Berlin, und der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin [Gebundene Ausgabe] 2011.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.