Zweiter Weltkrieg – Ein Zeitzeuge erzählt seine Geschichte

Ich war zu Besuch bei Anton Willems, einem Zeitzeugen aus Pellingen, der sich trotz seiner 92 Lebensjahre immer noch erstaunlich gut an vergangene Zeiten erinnern kann. Er selbst war wegen des 2.Weltkrieges insgesamt sieben Jahre weg von zu Hause und hat deswegen auch einige interessante Geschichten zu erzählen. Diese erzählt er so lebhaft und echt, dass man ein Leben zur Zeit des Nationalsozialismus „gezeigt“ bekommt.

Bereits mit 17 Jahren wurde er in den Reichsarbeitsdienst in Wiesbaden eingeführt (Januar 1943-Juni 1943); dort erlernte er eine militärische Ausbildung, die er später im Krieg anwenden konnte. Nur nach einer Woche Aufenthalt zu Hause wurde er direkt eingezogen. Er wurde dann in Darmstadt an Panzern ausgebildet. Daraufhin ging es für ihn sofort nach Italien an den Hafen Nettuno-Anzio am Türanischen Meer. Dieser war ein Stützpunkt von Amerikanern, Engländern, Australiern und von Indern. Seine Einheit musste dort vier Monate die Stellung halten.

Als die Amerikaner bei Montecassino angriffen, mussten sie sich bis in die Toscana zurückziehen, doch seine Einheit wurde bis in die Tschechei rausgezogen. Auf seinem Weg zurück nach Deutschland landete er in der Kriegsgefangenschaft der Amerikaner; diese lieferten sie an die Russen aus. Dort lebte er vier Wochen in der freien Natur. Anschließend ging es mit dem Zug weiter nach Russland. Dieser Weg beanspruchte ebenfalls vier Wochen über Deutschland, Österreich, Polen, Ungarn und Rumänien. Dort waren die Zustände nicht wirklich die besten, es gab immer nur Suppe und Brot zu essen und alles wurde genau abgewogen, damit keiner mehr oder weniger hat. Einige bekamen sogar eine Sehschwäche durch den Mangel an Vitaminen. Man muss aber sagen, dass Herr Willems sehr kreativ war und sich selbst Essen gemacht hat und raffinierte Ideen hatte. Dieser Aufenthalt war nicht nur zum Zeitvertreib, sie mussten natürlich auch arbeiten, wie zum Beispiel im Steinbruch oder im Straßenbau (diese Straßen existieren heute noch).

Er kam dann also am 1. Januar 1950 wieder zurück in seine Heimat und wurde dort von seinen Eltern erwartet. Durch diese Zeit hatte er viele Erfahrungen für seine Zukunft gesammelt, er hatte immer eine „Ader“, Gedichte zu schreiben. Hier ein kleiner Ausschnitt: „… In schwerer schlimmer Zeit geboren ist unsere Generation die Jugend ging verloren in Krieg und Sklavenfron statt friedlicher Arbeit und blühendes Leben, von Grauen und Tod umgeben …“  Zurück zu Hause war er politisch auch sehr erfolgreich,  er wurde Bürgermeister seines Heimatortes und schrieb 70% der örtlichen Chronik mit. Auch jetzt wird er noch oft als Zeitzeuge von verschiedenen Schulen angefragt.

Nach diesem Gespräch schaue ich nun mit ganz anderen Augen auf diese Zeit und kann mir ein Bild machen, was es hieß unter diesen Umständen zu leben.

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