Verdunausflug – 6. Juni 2016

bataille_de_verdun_01 Am 21.02.1916 begann die Schlacht um Verdun und dauerte bis zum 19.12.1916 an. Vor 100 Jahren also starben insgesamt ca. 300000 Soldaten auf den Feldern zu Verdun. Am 06.06.2016 sind wir mit allen neunten Klassen mit dem Bus nach Verdun zum Gebeinhaus, zum Fort de Douaumont und nach Vauquois.

Unsere Fahrt begann um ca. 8:00 Uhr und führte uns zuerst zum Gebeinhaus bei Verdun. Als wir ankommen und der Bus geparkt hat, beginnt unser Rundgang. Es ist sehr schönes Wetter in Verdun. Es hat mich anfangs vergessen lassen, was eigentlich hier los war vor 100 Jahren. Als wir schließlich zwischen den Gräbern vorbei schlendern, wird mir ziemlich bewusst und sehr klar: Hier auf den Feldern haben vor einem Jahrhundert so viele Soldaten ihr Leben verloren, in einem Kampf um Nichts und wieder Nichts. So viele junge Männer sind so früh gestorben. Sie haben quasi kaum etwas von ihrem Leben gelebt.

Als Vergleich: Ich lebe im Jahre 1914 und bin 16 Jahre alt. In zwei Jahren werde ich vom Heer eingezogen, Rekrutiert und nach Verdun als Kanonenfutter geschickt. Mein Leben wäre nach 18 Jahren beendet. So ging es einigen jungen Soldaten in Verdun. Die ca. 16.000 Kreuze verraten einem nicht annähernd, wie viele Menschenleben der Kampf hier gekostet hat. In dem Gebeinhaus selber ist es sehr leise, dunkler und die ganzen Decken und Wände sind mit Namen „verziert“. An der hinteren Seite vom Gebeinhaus kann man von außen, durch eine Scheibe, auf die Knochen der 130.000 unidentifizierten Soldaten schauen. Ein etwas unangenehmer Anblick, wenn man das Schicksal dieser Männer auch nur zum Teil ahnen kann.

Nachdem wir uns alles angeschaut haben, machen wir eine Wanderung zu unserem nächsten Ziel: Fort Douaumont. Als wir an dem Fort ankommen, erwarten uns die Überreste des einst größten und stärksten Werkes der äußeren Frontlinie. Wir sehen Mauern, die in die Felsen reinlaufen. Man kann sagen, dass die ganze Festung in das Gestein gearbeitet ist. Und so war und ist es ja auch. Auch als wir auf das Fort gehen, geht es weiter. Aus dem Beton und der Erde ragen mittlere und große MG-Stellungen, Beobachtungsposten und Stacheldraht entgegen. Man hat eine gute und weite Aussicht über die Region. Jeder kann erahnen, dass dieser Ort eine Strategisch sehr wichtige Rolle gespielt hat. Von hier aus konnte man alles und jeden beobachten, kontrollieren und beseitigen. 1916 wurde diese Festung auch stark umkämpft.

Sie geht unterirdisch noch weiter, aber wir sind stattdessen mit dem Bus nach Vauquois gefahren. In einer kleinen Hütte stehen Gegenstände und Maschinen, die man im Umkreis und in den Gängen der Deutschen gefunden hat. Von Granatwerfern, Helmen, MG´s über persönliche „Wertsachen“ der Soldaten ist vieles dabei. Nach der Sichtung der Gegenstände bekommt jeder von uns Helm und Taschenlampe und ein Guide führt uns auf dem Berg in den Wald. Wir kommen an einem Platz vorbei, auf dem früher ein Wachturm gestanden hat.

image VerdunDer Guide erklärt uns, dass früher auch hier noch kein Wald war, sondern Wiese etc. Er sagte auch, dass auf dem Berg einst ein Dorf existiert hat, welches jedoch durch die insgesamt 500 Sprengungen unter und auf der Erde vernichtet wurde. Hier haben sich damals die Deutschen verschanzt und damit von den Franzosen eine strategisch wertvolle Position bekommen. Als die Franzosen merken, dass es ein Fehler war diese Position aufzugeben, begann das gegenseitige Untergraben und Sprengen. Wir werden zu einem vermoosten Bodeneingang geführt und betreten einen nassen und dunklen Gang nach unten. Nachdem wir einige Treppenstufen hinab gestiegen sind, kommen wir in einen Mannschaftswachraum. Hier haben Tag und Nacht, vier Wochen am Stück, vier Männer in Alarmbereitschaft gesessen, falls der Feind kommen sollte. Ihr Auftrag: Alarmschlagen im Ernstfall. Hier unten ist es nass, dreckig und dunkel. Nicht grade die besten Lebensbedingungen. Wir waren ja nur ca. 30 Minuten unter der Erde, aber die Soldaten haben hier gewohnt, gegessen etc.

image Verdun2

Im weiteren Verlauf des Rundganges in den Gängen lernen wir, dass früher, sobald es sehr leise wurde und das Graben des Feindes nicht mehr zu hören war: Raus hier! Diese Stille bedeutete, dass der Feind eine Sprengung durchführen wird. Insgesamt gab es hier ca. jeden zweiten oder dritten Tag eine Sprengung. Die Soldaten in dieser unterirdischen Stadt waren einer enormen psychischen Belastung ausgesetzt. Das zu wissen, wirkt etwas beängstigend und man ist heilfroh, in der heutigen Zeit leben zu dürfen. Als wir wieder draußen sind, sehen wir, was der Guide bei Beginn der Tour meinte. Die ganze Landschaft war mit Gräben und Löchern versehen, die der Stellungs- und Grabenkrieg hinterlassen hat. Wie sähe es hier aus, wenn man damals die geplante 600.000 Tonnen Sprengstoff gezündet hätte, wäre die St. Michaeloffensive nicht gewesen? Vauquois würde bestimmt nicht mehr existieren.

Nach einer weiteren kleinen Pause gehen wir zum Bus zurück und fahren wieder nach Konz. Abschließend kann man sagen: Der Stellungs- und Grabenkrieg ist ein interessantes Thema, jedoch ist Krieg an sich was Verabscheuenswertes. Wir haben gesehen, was der Krieg uns kostet und dass der Tod kein Erbarmen hat. Wir haben die noch heute gezeichnete Landschaft gesehen und können glücklich sein, ohne Krieg aufzuwachsen. Es ist ein Thema, was einen sehr beschäftigt. Es birgt viele Fragen, aber nur ein Teil kann beantwortet werden.

Marlon Elzer

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