Projekt Bandgründung – ein Kinderspiel?

— von Felix Brechtken —

Wer selbst Musik macht oder gemacht hat, kommt automatisch irgendwann an den Punkt, an dem es einfach keinen Spaß mehr macht, alleine zu spielen. Dann ist meistens der Zeitpunkt gekommen, an dem man in eine Band oder ein Orchester gehen sollte.
Doch was tun, wenn kein geeignetes Ensemble in der Nähe ist, in dem man mitspielen kann. Man gründet eine eigene Band.
Ein Schlagzeuger, ein Gitarrist und ein Soloinstrument oder einen Sänger, schon ist die Band komplett. Doch was muss man alles beachten? Kann man mit der eigenen Musik wirklich so schnell Geld verdienen?

bandAm Anfang war die Band

Aller Anfang ist schnell gemacht.

Ein cooler Name, eine gemeinsam ausgewählte Musikrichtung und schon kann es losgehen. Genau dies habe ich die vergangenen Wochen mit Freunden gemacht. Abends bei einem gemeinsamen Bier entstand die Idee, aus dem gemeinsamen Musizieren eine sich regelmäßig treffende und probende Band zu machen. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch keinem von uns klar, welche Schritte wir eigentlich alles beachten müssen und in welcher Reihenfolge dies abzuarbeiten ist. Obwohl diese Band doch mehr Arbeit bedeutet, als dies ursprünglich geplant war und wir alle schon in diversen Bands spielen, machen die Proben jedes Mal riesig Spaß. Darüber hinaus sind wir sehr zuversichtlich, schon in wenigen Wochen die ersten gemeinsamen Gigs spielen zu können.

GrooveKitchenWir sind Groove Kitchen und bestehen aus Jonas Kirchen (Altsaxophon), David O´Grady-Sommer (Gitarre), Till Malburg (Schlagzeug) und mir, Felix Brechtken (Trompete). Mittlerweile haben wir noch Zuwachs am Bass bekommen.

crowd-1_1Jede Band träumt davon, einmal die Massen zu begeistern. Quelle: http://giveagig.org.uk/

Ein irrealer Traum? Bekannte Vorbilder gibt es zu genüge

Dieser Traum des großen Erfolgs ist keine reine Spinnerei. Bekannte Beispiele von heute sehr erfolgreichen Bands zeigen, dass auch Profis am Anfang klein anfangen müssen. So trafen sich damals „The Script“ oder „Maroon 5“ alle, als sie damals in ungefähr unserem Alter waren. „You cannot believe this! It´s so amazing, standing here with my friends in all these different countries. (…) Music is for everyone! Believe in your dreams!“ Das erzählte Daniel O´Donoghue, Frontmann von „The Script“ Mitte Juni auf seinem Konzert in Luxemburg. Auch wenn der ganz große Erfolg nicht zu erwarten ist, geben solche Beispiele immer wieder neue Motivation, ein solches Projekt zu starten. Ein weiteres Beispiel für eine solche Geschichte ist „Green Day“. Diese bis heute sehr erfolgreiche Band fand sich 1987 zusammen. Die damals 15-jährigen Bandmitglieder spielen bis heute in ähnlicher Besetzung und begeistern weiterhin Millionen von Fans. Doch bevor man über den großen Erfolg nachdenkt, muss zuerst klar sein, was man für Musik machen will.

greendayGreen Day ist bis heute Weltbekannt.

Quelle: http://worldversus.com/GreenDay-vs-LinkinPark

Was spielen wir? Funk, Rock oder doch lieber die aktuellen Charts?

Je nach Spielvermögen der Band sind verschiedene Stilrichtungen möglich. Während sich die Begleitung eher auf einen korrekten Rhythmus konzentrieren muss, sind für den oder die Solisten die Melodie und die Art der Melodie von entscheidender Bedeutung.
Eher einfache Stilrichtungen für eine Band sind häufig die moderne Popmusik oder Evergreens, während komplizierte Musikrichtungen wie Funk oder Jazz für den Anfang weniger empfehlenswert sind. Wir haben uns, als Gruppe von bereits erfahrenen Musikern, auf keinen festen Stil festgelegt, sondern wollen gemeinsam vielseitig bleiben und spielen daher sowohl Klassiker wie beispielsweise „Guns N´Roses“ oder „Stevie Wonder“ aus den 80ern oder noch früher, jedoch ebenso aktuelle Chartmusik. Dieser Mix garantiert uns sehr viel Spaß und den Zuhörern viel Abwechslung.
Generell sollte bei der Wahl der Musikrichtung und anderen wichtigen Entscheidungen immer bedacht werden, dass eine Band nur gut harmonieren kann, wenn sich jedes Mitglied wohlfühlt und ein jeder auch in der Gruppe für seine Verhältnisse ausreichend zur Geltung kommt. Meiner Meinung nach ist das gerade auch in größeren Bands immer schwieriger, wie zum Beispiel einem Orchester.

„Darauf hab ich keine Lust mehr!“ – Die Stimmung in der Band.

Ich habe Ende Sommer 2014 das Jugendorchester des Musikvereins Concordia Konz als Dirigent übernommen. In diesem Orchester spielen bei Vollzähligkeit knapp über 20 junge Musiker, denen das Zusammenspiel in der Gruppe in einfacher und moderner Musik nähergebracht werden soll. Die Musiker sind teilweise noch recht jung, weshalb man gerade bei diesen neun- und zehnjährigen aufpassen muss, die Musiker einerseits zu fordern, jedoch auf keinen Fall durch ein Überfordern zu demotivieren. Dieser Balanceakt gestaltet sich als sehr schwierig, weshalb auch im Hobby- und Profibereich immer wieder zahlreiche Bands zerbrechen.
Für eine konstant hohe Motivation ist neben einer guten Atmosphäre in der Band auch ein gesunder Druck wichtig, den man am simpelsten durch regelmäßige und interessante Auftritte erzeugt. Einen solchen Auftritt mit der eigenen Band bedeutet jedoch zuerst einmal viel Arbeit. Es gibt nur sehr wenige Auftritte, bei denen man kürzer als 90 Minuten engagiert wird. Erfahrungsgemäß ist für eine solche Auftrittsdauer ein Minimum von zwölf Stücken anzusetzen. Dazu kommen noch, je nach Auftrittsart und Begeisterung im Publikum eine oder zwei Zugaben. Um also einen Auftritt absolvieren zu können, muss man ca. fünfzehn Stücke als Gruppe beherrschen, was bedeutet, sie gleichmäßig, im Originaltempo, in der richtigen Dynamik und mit den richtigen Tönen sauber zusammen spielen zu können. Als Provision für eine solche Band sind meist 300€ angesetzt. Das klingt erst einmal nach sehr viel Geld, jedoch relativiert sich das sofort wieder, wenn man bedenkt, dass dieser Betrag sich bei uns auf fünf Bandmitglieder aufteilt. Nach Abzug der Fahrtkosten bleiben also für jeden ca. 50€ für einen Abend über.
Um diese 50€ jedoch zu verdienen, muss man jedoch eventuell ein Equipment kaufen, die Noten zusammenstellen und einstudieren, sowie andere für den Auftritt nötigen Dinge beschaffen.
Das ist der Hauptgrund, weshalb sich eine Band noch nicht nach den ersten Auftritten lohnt, sondern in der Regel erst nach einigen Auftritten die Rechnung aufgeht, mit der eigenen Musik Geld zu verdienen.

18coolSelber Noten schreiben bedeutet in der Gruppe sehr viel Arbeit.

Notenarbeit

Um an Noten zu gelangen, stehen einem Musiker grundsätzlich drei Möglichkeiten zur Verfügung. Es gibt online Noten zu kaufen. Der größte Nachteil hierbei ist, dass alle Partituren Geld kosten. Egal! Wir nehmen ja schließlich auch wieder Geld ein!“ Aber selbst bei nur 20€ pro Stück, käme man bei einer solchen Zusammenstellung eines Programms für einen Gig auf knapp 300€, die man im Vorhinein investieren müsste. Deshalb kamen wir wie die meisten anderen Bands auf die Idee, für den Anfang Stücke zu covern. Das klappte ziemlich gut, was wahrscheinlich auch der Grund dazu war, dass ich Anfang April auf die grandiose Idee kam, für einen 18. Geburtstag einer Freundin ihr eine kleine CD zu schenken, auf der wir ihre Lieblingssongs als Medley zusammengeschnitten haben. „Wenn du das schreibst, spielen wir das zusammen ein und machen daraus dann eine CD“, so war der Plan. Aus am Ende gerade einmal drei Minuten Lied ergab sich eine ganze Menge Arbeit. Als wir am Ende dann unser Geschenk überreicht haben, steckten darin insgesamt knapp 50 Arbeitsstunden (verteilt auf vier Leute). „Wir nehmen keine Songs mehr selber auf!“, so könnte man hier zu einem fatalen Schluss kommen. Um jedoch eine kleine Notensammlung aufzubauen, muss man diese entweder für viel Geld kaufen, oder sie mit viel Mühe covern, beziehungsweise selber schreiben. Genau um solche Aktionen abzukürzen, gibt es Internetseiten (wie https://www.chromatik.com/). Dort kann man einfache Versionen der Noten ansehen und spielen, die man dann genauer anpasst und bearbeitet.

Fazit

Generell kann man formulieren: Wer mit der eigenen Band durchstarten will, sollte sich wirklich im Klaren darüber sein, mit wem er dieses Projekt starten will. Dazu sollte man genau abwägen, welche Art von Musik man machen will und versuchen, jedes Bandmitglied an der Musik bestmöglich zu beteiligen, da sonst die Band schnell zerbrechen wird. Mit der selbstgegründeten Band sollte man mindestens fünf Auftritte spielen können, um überhaupt von Geld verdienen sprechen zu können. Fangt rechtzeitig an und wartet nicht zu lange!

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