Filmkritik „Chappie“ (2015) – Stumpfer „RoboCop“ Abklatsch oder packendes Sci-Fi-Epos mit Tiefgang?

— von Marvin H. und Max B. —

Passend zum bevorstehenden DVD-Release am 09.07.15 haben wir für euch Neill Blomkamps neuesten Science-Fiction-Thriller „Chappie“ mal etwas genauer unter die Lupe genommen. Im Vergleich mit Blomkamps Debutfilm District 9 (2009) und auch mit Elysium (2013), welches beide internationale Kassenschlager waren, blieb Chappie hinter den Erwartungen zurück. Ein mäßiger Kinostart und die bereits vier Monate später folgende DVD-Veröffentlichung sprechen für sich. Auch die Meinungen der Netzgemeinde gehen auseinander. Chappie gilt bereits jetzt als einer der am kontroversesten diskutierten Filme dieses Jahres. Doch ist die Kritik berechtigt oder wird dem Film Unrecht getan? Und nicht zuletzt die entscheidende Frage: Lohnt es sich die DVD zu erwerben?

Chappie FilmplakatFilmplakat © Sony Pictures

Wovon handelt der Film?

 Johannesburg, 2016. Im Kampf gegen die steigende Kriminalität setzt die Polizei vermehrt auf autonome Kampf-Roboter, sogenannte „Scouts.“ Deon Wilson, ein junger Ingenieur, arbeitet für Tetravaal, die Produktionsfirma der Polizei-Roboter. Nebenher forscht Deon an der Entwicklung einer künstlichen Intelligenz, mit deren Hilfe seine Roboter zu selbstständig denkenden, menschenähnlichen Geschöpfen heranreifen sollen. Seine profitorientierte Chefin untersagt ihm jedoch jegliche Testversuche. Zunächst unbemerkt entwendet er einen Roboter aus der Schrottpresse und stattet diesen mit seinem Programm aus, um es zu erproben.

Ein hoch verschuldetes Gangster-Trio kidnappt jedoch den jungen Wissenschaftler und seine Schöpfung, in der Hoffnung, den Roboter für Raubüberfälle einsetzen zu können. Chappie, wie sie den Roboter nennen, muss jedoch, gleich einem kleinen Kind, von Beginn an alles erlernen. Deon, der nebenher weiter für Tetravaal arbeitet, unterstützt den Roboter in jeder freien Minute bei seinem Lernprozess. Auf dem Weg zu menschlichem Bewusstsein erfährt der junge Roboter Misshandlung, Gewalt aber auch Liebe und Moral. Chappie beschäftigt sich mit grundlegenden Fragen bezüglich seiner eigenen Existenz und Identität.

Chappie wird zum GangsterChappie wird zum Gangster erzogen © Columbia Pictures

Hinzu kommt ein eifersüchtiger Kollege Deons, der seine eigene Art von Robotern an die Polizei veräußern möchte und die „Scouts“ sabotiert. Die Folge ist ein Kampf zwischen den Verbrechern der Stadt, den Polizisten und den neuesten Konkurrenzroboter der „Scouts.“ In dem so entstehenden Kleinkrieg müssen alle Beteiligten um ihr Überleben kämpfen – mit unerwartetem Ausgang!

 So urteilt das Netz

Durchsucht man das Netz nach Meinungen zum Film, so stößt man auf eine deutliche Ambivalenz. „sehenswert, spannend und mitreißend“ so urteilen die einen, wohingegen andere den Film als „durchgeknallt“ und sehr „blutig“ bezeichnen. Die Internetseite „Filmdienst“ (http://www.filmdienst.de/nc/kinokritiken/einzelansicht/chappie,545672.html) schreibt Chappie ein „brilliantes Charakterdesign und eine atemberaubend realistische Animation“ zu; „der Spiegel“ (http://www.spiegel.de/kultur/kino/chappie-im-kino-rasantes-droiden-drama-von-neill-blomkamp-a-1021768.html) bezeichnet ihn sogar als den besten Film Blomkamps. Auf der anderen Seite kritisiert „epd-Film“ (http://www.epd-film.de/filmkritiken/chappie) die „plumpen, eindimensionalen Protagonisten“, das „viele, sinnlose Geballer“ und attestiert dem Film einen Mangel an Intelligenz. Obwohl Meinungen natürlich stets subjektiv und Geschmäcker verschieden sind, werden wir versuchen, den Film anhand eigener Kriterien zu bewerten.

Roboter CHappie Roboter Chappie © Sony Pictures

Hugh JackmanHugh Jackman als„Film-Bösewicht“ © Sony Pictures

Hochkarätige Besetzung mit Hollywoodgrößen

Die Besetzung mit hochkarätigen Größen Hollywoods lässt auf schauspielerische Glanzleistungen hoffen. Dies ist jedoch nur teilweise zutreffend. Dev Patel wirkt in der Rolle als gutmütiger Nerd sehr überzeugend und liefert eine solide Leistung ab, wie man sie bereits aus „Slumdog Millionair“ von ihm gewohnt ist. Auch Sigourney Weaver als kaltherzige Chefin eines Waffenkonzerns stellt ihr Talent unter Beweis und überzeugt mit Souveränität.

Hugh Jackman auf der anderen Seite konnte uns nicht überzeugen. Mit „Vokuhila-Frisur“ und Goldkette spielt er die Rolle des bösen Schurken unserer Meinung nach wenig glaubhaft. Die Rolle liegt ihm nicht wirklich und entspricht auch so gar nicht dem gewohnten Charakter des „Wolverines“ aus der „X-Men“ Reihe.

Dev PatelSchauspieler Dev Patel (* 23. April 1990 in Harrow, London)

Schauspieler JackmanSchauspieler Hugh Jackman (* 12. Oktober 1968 in Sydney)

WeaverSchauspielerin Sigourneay Weaver (* 8. Oktober 1949 in New York City)

Die interessantesten Charaktere sind jedoch die Gangster „Yolandi und Ninja“, die im echten Leben unter dem Namen „Die Antwoord“ eine recht bekannte Band bilden. Auch diesbezüglich scheiden sich die Geister.

Ob „unterbelichtete Hirne“ (Kino.de) (http://www.kino.de/kinofilm/chappie/152174), die nur „fluchendes Gestammel“ von sich geben (Verena Luecken) (Verena Lueken) oder „geniale Besetzung“, die mit „Charme und Witz“ den Film bereichert (Daniel Schmidt, (http://www.giga.de/filme/chappie/kritik/chappie-kritik/); die Meinungen sind vielfältig. Wir für meinen Teil halten die Besetzung für gelungen, da die beiden ideal in die Rolle der Gangster passen, wenngleich von Zeit zu Zeit durchschimmert, dass sie keine professionellen Schauspieler sind.

Die Rolle des Chappie wird von Sharlto Copley gespielt, dessen Bewegungen mit Hilfe des „Motion-Capture- Verfahrens“ aufgenommen und per Computer animiert wurden. Der Roboter Chappie steht seinen Kollegen aus Fleisch und Blut somit sowohl in emotionaler als auch in schauspielerischer Art und Weise in nichts nach.

 Ausbleibende Erfolge

Mit einem Einspielergebnis von 13,3 Millionen Doller am Start-Wochenende konnte sich „Chappie“ zwar Platz 1 der US-Charts sichern, spielte aber nur weniger als halb so viel wie Blomkamps vorherige Filme ein. Der schwache Start und der mäßige Kinoerfolg waren daher für die Produktionsfirma eine Enttäuschung.

Gestaltung, Effekte und Umsetzungen des Films

Die recht solide Story des 120-minütigen Films wird durch den Einsatz einer Vielzahl an Effekten und guter Technik abwechslungsreich und interessant gestaltet. Hierzu wurde das Budget von 115 Millionen Dollar optimal ausgeschöpft. Nichtzuletzt ist es das sehr gut gelungene Verhältnis von rauer Dystopie (= Szenario in einer düsteren Zukunft, in welcher Gewalt, Angst und eine negative Grundstimmung herrschen), Drama und zuweilen Comedy (die Szenen, in welchen Chappie zum Robo-Gangster erzogen wird, sorgen für das ein oder andere Schmunzeln), das den Film interessant, abwechslungsreich und bis zum Ende hin sehenswert macht. Actionelemente wie Schießszenen und wilde Verfolgungen lassen zudem keine Langeweile aufkommen.

Chappie im GefechtChappie im Gefecht mit einem Konkurrenz-Roboter © Sony Pictures

  Kritik an bestehenden Zuständen – Interpretation und Aussageabsicht des Films

„Chappie“ einfach als sehenswerten Unterhaltungsfilm abzutun wäre ein zu oberflächliches Urteil, besitzt der Film doch durchaus Tiefgang und eine hintergründige Absicht, eine gewisse Gesellschaftskritik zu formulieren. Der Regisseur wirft Fragen bezüglich der Existenz von Leben und Bewusstsein auf. Auch künstliche Intelligenz und die Angst vor ihr ist durchaus ein aktuelles Thema. Letzten Endes ist der Roboter der „menschlichste“ aller Charaktere und der „Mensch“ derjenige, von dem die eigentliche Gefahr ausgeht. Die Grenzen zwischen Mensch und Maschine, zwischen Gut und Böse, werden durch den Film sowie die im Vordergrund stehende Menschwerdung eines Roboter, etwas verwischt. Hierin sehen wir eine leichte Provokation des Regisseurs, um die Zuschauer anzuregen, bestehende Verhältnisse und Zustände kritisch zu reflektieren.

Urteil

Abschließend kommen wir zu dem Urteil, das „Chappie“ ein rundum gelungener und sehenswerter Film ist, der Unterhaltung und Abwechslung bietet und Fans des Genres voll auf ihre Kosten kommen lässt. Die negativen Rezensionen, welche im Internet zu finden sind, empfinden wir als ungerechtfertigt, würden sie jedoch auf zu hohe Erwartungen durch die vorherigen Erfolge des Regisseurs zurückführen. „Chappie“ ist ein Film, der „Elysium“ oder „District9“ zwar in nichts nachsteht, seine Vorgänger jedoch auch nicht übertreffen kann.

DVD ChappieDVD Chappie – Preis 16,99€

Die oftmals zu lesenden Vergleiche mit „RoboCop“ sind zwar durchaus nachvollziehbar, allerdings ist   „Chappie“ nicht nur ein billiger Abklatsch, sondern ein Film der seinen ganz eigenen Weg geht. Alles in allem konnte der Film uns durchaus überzeugen. Daher unsere Empfehlung: sehenswert

Quellen:

http://www.kinofenster.de/lehrmaterial/methoden/eine-filmkritik-verfassen/

http://www.amazon.de/Chappie-DVD-Blu-ray/s?ie=UTF8&page=1&rh=n%3A284266%2Ck%3AChappie

http://www.epd-film.de/filmkritiken/chappie

https://de.wikipedia.org/wiki/Chappie

http://5vier.de/kino-chappie-cinemaxx-166115.html

http://www.filmstarts.de/kritiken/189702/kritik.html

http://www.moviepilot.de/movies/chappie–2

http://www.kino.de/kinofilm/chappie/152174

http://www.spiegel.de/kultur/kino/chappie-im-kino-rasantes-droiden-drama-von-neill-blomkamp-a-1021768.html

Verena Lueken

http://www.giga.de/filme/chappie/kritik/chappie-kritik/

http://www.filmtogo.net/chappie/

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