Was macht eine gute Lektüre aus?

Ein Thema, mit dem sich etliche verzweifelte Pädagogen viele Male schon beschäftigen mussten. Also, warum sollte ich, ein lektürengeplagter Schüler, nicht auch mal meinen Senf dazu abgeben? Im Folgenden äußere ich mich zu Aspekten, die meines Erachtens essentiell für eine gute Schullektüre sind:

 

Verständlichkeit – je verschachtelter der Satzbau und die sprachliche Gestaltung eines Buches sind, desto höher ist der Aufwand, den Inhalt zu verstehen. Und mit steigendem Verständnisaufwand sinkt nun einmal auch das Interesse an eben dem Kernaspekt: dem Inhalt.

 

Spannung/Witz – Egal ob Krimi, Historienroman oder klassisches Drama und klassische Komödie: Niemand liest gerne eine platte Geschichte. Und wenn die Handlung von vorneherein klar ist, verfliegt schnell das Interesse. Auch trockene Thematiken sorgen häufig für Missmut. Und wenn ein Buch nicht gefällt, so hinterlässt es, im Nachhinein, keinen bleibenden Eindruck.

 

Ansprechende Charaktere – Ja, es ist leidig, eintönige, stereotype Personen charakterisieren zu müssen. Und noch leidiger ist es, über ebensolche zu lesen. Facettenreiche, nachvollziehbare Charaktere lockern die Distanz zwischen Buch und Leser. Stereotype Helden z.B. bilden kein Potenzial für eine echte Charakterentwicklung, während man in Büchern wie „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ klar erkennen kann, wie die Figuren reifen und über sich hinauswachsen.

 

Interpretationsvielfalt ­­­­­- Auch das finde ich wichtig. Der Sinn einer Schullektüre ist nicht, alles vorzugeben. Sie soll einen Rahmen ziehen und Leerstellen* vorweisen, aber dabei stets motivieren sich selbst Gedanken zu machen. Ein meines Erachtens gutes Beispiel dafür ist das Stück „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt.

 

Doch wie stellen sich andere Schüler eine gute Lektüre vor? Um das herauszufinden, habe ich eine Umfrage innerhalb unserer Redaktion gestartet. Häufig genannt wurden Aspekte wie

  • Verständlichkeit
  •  einen interessanten, ansprechenden Schreibstil
  • eine angemessene Länge
  • eine entschlüsselbare, sprachliche Gestaltung
  • eine unterhaltsame Handlung
  • Figuren, mit denen man sich identifizieren kann
  • Themen, die auch für Schüler relevant sind.

 Nach einer Auflistung der Verlagsgruppe Beltz liegt diese Einschätzung ziemlich gut. So eigne sich ein Roman dann besonders als Klassenlektüre, wenn er „Lesebedürfnisse der Schülerinnen und Schüler (Spannung, Abwechslung, Humor, Identifikationsmöglichkeiten) befriedigt“ sowie „in Wortschatz und Syntax altersgemäß ist“.

 

Ich wollte wissen, welche Lektüren (Ex-)Schülern am besten gefallen haben, also sah ich mich ein wenig im Internet um. Häufig genannt wurden

  • ·         Goethe – Die Leiden des jungen Werther
  • ·         Goethe – Faust I
  • ·         Dürrenmatt – Der Besuch der alten Dame
  • ·         Dürrenmatt – Der Richter und sein Henker
  •            Frisch – Homo Faber
  • ·         Preußler – Krabat
  • ·         Remarque – Im Westen nichts Neues
  • ·         Ruhe – Die Welle
  • ·         Kafka – Die Verwandlung

Erkennbar ist, dass neben einigen moderneren Werken auch Klassiker genannt wurden. Weshalb sich die Frage stellt, ob ein Buch zwangsweise, wie ich es hier dargestellt habe, leicht verständlich sein muss. Ältere Texte mögen zwar stellenweise schwer zu verstehen sein, jedoch sind sie deshalb nicht alle herabzuwürdigen. Letztendlich kriegt man durch Klassiker wie das Drama „Emilia Galotti“ einen Einblick in die Unterhaltungsliteratur und Ideale vorangegangener Jahrhunderte.

 

Doch fernab der Frage, wie eine gute Lektüre auszusehen hat, so ist die Art, sie den Schülern zu vermitteln, schließlich entscheidend. Kreatives Arbeiten mit einer Lektüre, beispielsweise durch Standbilder, Dialoge, Monologe, und dergleichen sind das Stichwort. In der Mittelstufe hat meine Klasse die Lektüre „Ein Schatten wie ein Leopard“ verfilmt. Ich habe selten eine so rege Mitarbeit erlebt, wie sie bei diesem Projekt damals vorhanden war.  

 

Doch warum befasse ich mich mit einem solchen Thema? Sofern dieser Blog weitergeführt wird, will ich eine kleine Rubrik starten, in der ich mich unregelmäßig mit bekannten Lektüren auseinandersetze. Das hier Geschriebene soll ein grober Leitfaden sein, nach welchem ich die Bücher bewerten würde. Darauf hoffend, dass dieser Beitrag nicht zu trocken ist,

Johannes L.

Quellen und Ergänzungen :

http://www.beltz.de/de/nc/verlagsgruppe-beltz/fuer-lehrer/unterrichtslektuere/klassenlektueren-anregungen-und-tipps.html

http://www.dsfo.de/fo/viewtopic.php?t=3231&start=0&postdays=0&postorder=asc&highlight=

* Szenen, in welchen die Zusammenhänge selber erschlossen werden müssen.

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