Die Stadt gehört uns allen! – Ein Bericht zu einer gelungenen Demo

von FLORIAN ADAM —

Der 20. Juni 2015 – Weltflüchtlingstag. Zu diesem Anlass hat der Verein „Für ein Buntes Trier, gemeinsam gegen Rechts“ zu einer Demonstration unter dem Motto „Für ein gutes Leben ohne Grenzen – Die Stadt gehört uns allen!“ aufgerufen.

Das Ziel der Demo: auf das Leid der Flüchtlinge im Mittelmeer, die Asylpolitik Deutschlands und der EU aufmerksam zu machen und sich eindeutig gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu positionieren. 

Für mich, ein paar Freunde und etwa 200 weitere Trierer war das Grund genug, sich am vergangenen Samstag um etwa 14:00 Uhr vor der Jägerkaserne in Trier-West zu versammeln und mitzudemonstrieren. 

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Die erste, äußerst positive Überraschung: Es waren besonders viele Flüchtlinge vor Ort, die sich mit eigenen Schildern und Bannern der Demonstration anschlossen – aber noch viel erfreulicher: Man kam ins Gespräch!

Mein persönliches Highlight an diesem Tag spielte sich kurz nach Ende der Demo auf dem Hauptmarkt ab, als ich beobachten konnte, wie einige ältere Männer interessiert das Gespräch mit Flüchtlingen aus Afrika suchten. Es fand Kommunikation statt (wenn auch auf gebrochenem Englisch) – und alleine deshalb war die Veranstaltung schon ein Erfolg, denn das ist der einzige Weg, endlich die falschen und dennoch in vielen Köpfen tief verwurzelten Vorurteile gegenüber Flüchtlingen loszuwerden und die Menschen für das unsagbare Leid dieser empfänglich zu machen. Doch zurück zum Anfang.

Der Demonstrationszug setzte sich um etwa 14:30 Uhr, Gott sei Dank etwas verspätet, da wir die Entfernung von Jägerkaserne und Hauptmarkt dezent unterschätzt hatten, in Bewegung. Auf dem Weg zum Trierer Hauptmarkt machten wir vor dem Rathaus einen Zwischenstopp. Dort kamen wir wohl etwas früher als vom Veranstalter geplant an. Dies bot die Gelegenheit, sich hinzusetzen, das glücklicherweise sonnige Wetter zu genießen, neue Leute kennenzulernen oder sich etwas zu Essen zu besorgen. Die Stimmung war optimal, es gab keinerlei Anzeichen von Aggressivität oder Wut – sondern vielmehr von Gelassenheit, Euphorie und Gemeinschaft.

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Nach dieser kurzen Verschnaufpause folgten mehrere Redebeiträge. Die Redner kritisierten vor allem die europäische und auch deutsche Politik, die es den Flüchtlingen unfassbar schwer macht, nach Europa zu gelangen. So gibt es für einen Flüchtling zum Beispiel keinen legalen Weg, europäisches Festland zu betreten. Sie forderten außerdem, Flüchtlinge schneller und effektiver in den Arbeitsmarkt zu integrieren, denn viele Flüchtlinge wollen arbeiten, dürfen es jedoch gesetzlich nicht. Dabei ist Arbeit, also ein geregelter Tagesablauf das A und O für die erfolgreiche Integration von Flüchtlingen.

Nach einem kurzen Fußmarsch durch die ziemlich volle Trierer Innenstadt, der besonders viel Spaß machte, da so manche „Parole“ natürlich doch eine Provokation ist, folgte auf dem Hauptmarkt eine Abschlusskundgebung.

Zum Schluss bleibt die Frage – hat die Demo etwas bewirkt? Für mich ja.

Die Veranstaltung hat mich in meiner politischen Einstellung allgemein und speziell zum Thema Asylpolitik bestärkt und ich habe mich schon lange nicht mehr so euphorisch gefühlt wie während und nach der Demonstration – und wenn dieser Funke auch nur auf ein paar andere Menschen übergesprungen ist, sie in ihren Vorurteilen erschüttert und zu weiterem Engagement mobilisiert hat, dann kann man von einem Erfolg sprechen.

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