„NICHTS“ von Janne Teller – eine Buchkritik

DSC_0079Was im Leben wichtig ist! – Nichts?

Im Rahmen der Unterrichtsreihe „Sinn im Leben“ im Fach Religion las die 10a/b mit Frau Kasel den umstrittenen Jugendroman „Nichts“. Hier bekommt ihr einen schnellen Überblick mit einer kurzen Zusammenfassung und Rezension.

Der dänische Jugend- und Erwachsenenroman „Nichts – Was im Leben wichtig ist“ von Janne Teller, erschienen im Jahr 2000 im Carl-Hanser-Verlag, thematisiert die Suche nach dem Sinn und der Bedeutung des Lebens und über die Angst der unaussprechlichen Leere. Die 7a der Stadt Tearing möchte den nihilistischen Aussagen ihres Mitschülers Pierre Anthon gegensteuern, indem sie einen „Berg der Bedeutung“ aus zahlreich unterschiedlichen Gegenständen der einzelnen Schüler ansammeln.

Am Anfang eines neuen Schuljahres verlässt der Schüler Pierre Anthon die Klasse mit den Worten: „Nichts bedeutet irgendetwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun“ und kommt nicht mehr zur Schule, sondern verbringt fortan seine Tage sitzend auf einem Pflaumenbaum. Die gesamte Klasse bleibt überrascht und fragend zurück: Kann es wirklich sein, dass das Leben keine Bedeutung hat? Auch nicht die Arbeit, die Schule, die Freunde oder gar die eigene Familie? Zusammen stellt sich die Klasse die Aufgabe, ihrem ehemaligen Mitschüler das Gegenteil seiner Aussage zu beweisen, und sie tragen von jedem Einzelnen, einen für sie persönlich bedeutsamen Gegenstand zu einem Berg aus Bedeutung zusammen. Zentral ist hierbei, dass keinem die Wahl des Gegenstandes selber überlassen wird, hingegen entscheidet derjenige, der zuletzt ein Opfer bringen musste, wer als nächstes, welche „Bedeutung“ abzugeben hat. Was mit einer Abgabe von „Dungeons-&-Dragons-Büchern“ anfing, eskalierte zum Schluss mit einem abgetrennten Zeigefinger.

Janne TellerJanne Teller (*1964)

Der Autorin ist es sehr gut gelungen, dem Leser durch die Sicht der 14-jährigen Schülerin Agnes, die Gefühle der Schüler zu übermitteln. Durch innere Monologe über die Gedanken und Sichtweisen von Agnes wird ein eindeutiges Bild über die Gefühlssituation der Klasse deutlich und macht diese geschickt durch die Unwissenheit einer Siebtklässlerin dennoch nicht immer eindeutig und somit wieder interessant.

Jedoch fällt schnell der fiktive Charakter des Romans dadurch auf, dass die Klasse so organisiert und auch brutal gegeneinander vorgeht und auch keine Scheu vor Verletzungen und Straftaten zeigt. Ob eine ähnliche Situation wirklich real auftreten wird, ist eher weniger zu erwarten. Es vermittelt vielmehr im Laufe des Romans einen „abgedrifteten“ Eindruck in Richtung der Irrealität.

Die Sprache, die Janne Teller verwendet, ist dem entsprechenden Wortschatz einer Siebtklässlerin angepasst und punktet vielmehr mit jugendlichen Umschreibungen als mit lexikalischen Fachausdrücken. Dennoch werden Stilmittel wie der Komparativ fast schon in übertriebener Weise ausgeführt. Als beispielsweise das Verhalten der Schülerin Sofie beschrieben wird, heißt es: „Kalt, kälter, Frost, Eis und Schnee.“ Statt beschreibend das Verhalten darzustellen, wird abrupt ein stilistisches Mittel eingesetzt, was durchaus einen anschaulichen Effekt hervorbringen kann, jedoch bei unpassendem und zu häufigem Einsetzen den Lesefluss stören kann.

Die Position der einzelnen Charaktere in der Klasse spricht der Roman grundlegend mit dem Verhalten der Personen bei ihrer jeweiligen Opfergabe an und äußert demgemäß die von den Mitschülern aufgestellte Rangordnung innerhalb der Klasse. Dadurch können durchaus Jugendliche zum Nachdenken über das Gemeinschaftsgefühl in der eigenen Klasse angeregt werden.

Deutlich werden in dem Roman auch die Rollen der verschiedenen Medien angesprochen, als die Nachricht um den „Berg der Bedeutung“ publik geworden ist und immer mehr an Aufmerksamkeit auf sich zog. Die Folge des Einflusses von Zeitung und Fernsehen sowie das Interesse eines berühmten Museums wird anhand der Reaktionen von den Schüler und der Bewohner der zunächst unbedeutenden Stadt Tearing klar dargestellt und bestätigt das Vorgehen der Kinder. Hierdurch wird klar gezeigt, dass man durch „nicht-in-Ordnung-gehende“ und verbrecherische Aktionen weltweites Aufsehen erregen kann, was durchaus zur Folge hat, dass Jugendliche, aber auch Erwachsene zur Nachahmung und zum Nihilismus „angereizt“ werden.

b_1_q_0_p_1

Über das fanatische Handeln der Jugendlichen in diesem Buch und über die Angst, es könne den Lesern die „Sinnlosigkeit“ vermitteln, wurde und wird noch immer lange diskutiert. In eigenen Ländern wurde sogar besprochen, ob dieses Buch für den Schulunterricht geeignet ist. Ich persönlich finde nicht, dass man das Thema über den Sinn des Lebens gerade in der Schule besprechen muss. Denn dadurch wird den Schülern die Parole „Das bedeutet etwas und zwar dies!“ aufgezwungen, anstatt den Jugendlichen freien Raum für ihre Fragen zu lassen. Dennoch finde ich, dass es Janne Teller gelungen ist, eine klare Geschichte über Fragen, die sich wahrscheinlich jeder im Leben stellt, in einem Jugendroman zu verpacken. Mit der Wahl einer Parabel hat sie es geschafft, das Thema und die Deutung über Sinn, Bedeutung und Wichtigkeit im Leben treffend in einem Jugendbuch anzusprechen, was sie durch ein Sachbuch höchstwahrscheinlich nicht hätte erreichen können. Auch wenn mich dieses Buch nicht besonders beeindrucken konnte, da es durch die zuvor angesprochenen sprachlichen Unklarheiten nicht immer angenehm war, der Handlung folgen zu wollen.

Andere Bücher wie „Die Welle“ von Morton Rhue mit einem ähnlichen Thema, greifen die Probleme und Schwierigkeiten rund um den Sinn des Lebens und einer Gemeinschaft durch eine spannendere und realistischere Rahmenhandlung besser auf und würden, wenn dieses Thema in der Schule behandelt werden soll, Jugendliche eher ansprechen als „Nichts“ von Janne Teller.

teller-nichts1

„Nichts – Was im Leben wichtig ist“ erschien 2010 als Taschenbuch im Carl-Hanser-Verlag und ist für 6,95€ in der Buchhandlung erhältlich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.