Baguette, Käse & Ich

Mein Bruder stupst mich an, ich nehme die Kopfhörer ab und halte den Film an. Autobahnausfahrt, Maut bezahlen und ab nach Deutschland! Alles kommt mir wieder vertraut, aber doch irgendwie befremdlich vor. Die Schriftzüge der Firmen auf ihren Hallen kann ich ohne Probleme lesen. Das macht mich irgendwie traurig und ich werde wehmütig.

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Begrüßung am Bahnhof in Dijon

Aus dem Zug aussteigen und endlich wieder seine Austauschpartnerin in die Arme nehmen, das ging mir während der 6-stündigen Zugfahrt durch den Kopf. Dijon Gare. Endlich angekommen! Ich packte mein Buch und all den anderen Kram, den ich auf dem freien Platz neben mir ausgebreitet hatte, in meinen Rucksack und machte mich auf, um meinen Koffer aus dem Regal zu heben. Fühlt sich an wie 50kg, dachte ich mir. Doch zum Glück halfen mir eine junge Japanerin und die ältere Dame, die ich schon aus dem vorherigen Zug kannte. Ein junger Mann drückte einen Knopf und die Türen des TGVs öffneten sich. Ich hob meinen Koffer heraus und suchte nach bekannten Gesichtern. Da sah ich, wie meine Corres (Austauschpartnerin) Marie auf mich zulief, und wir fielen uns beide in die Arme. Schnell wurde ich ihren Eltern vorgestellt und wir machten uns auf den Weg zu ihrem Haus. Dort wurde ich schon von ihren jüngeren Schwestern erwartet und mir wurde noch mein Zimmer gezeigt. Gemütlich sah’s aus, mit Kleiderschrank, Schreibtisch, kleiner Couch und natürlich einem Bett. Sofort packte ich meinen Koffer aus und übergab die Gastgeschenke. Am Abend war ich aber so müde, dass ich nach dem Abendessen und dem Gespräch am Abend beim Fernseher früh schlafen ging.

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Super Wetter!

Am Sonntag, meinem zweiten Tag lud Marie ihren besten Freund ein, mit uns einen kleinen Ausflug zum See in den Nachbarort zu unternehmen. Dort angekommen, geriet ich ins Staunen, ein ziemlich großer See mit einem kleinen Strand. Super fand ich auch, das gerade ein Triathlon stattfand und es richtig spannend fand, die Sportler anzufeuern. Wir umrundeten den See und so kamen wir ins Gespräch und ich hatte das Gefühl, dass ich es dort für drei Wochen auf jeden Fall aushalten werde.

Am Abend gab sie mir ihren Stundenplan und mit Erschrecken stellte ich fest, dass ich von 8 bis 18 Uhr in der Schule sein würde und bei genauerem Hinsehen wurde mir noch deutlich, dass eine Schulstunde 55 Minuten dauerte! Was ich mir in diesem Moment dachte, möchte ich jetzt lieber nicht niederschreiben.. höhö.. Jedoch folgte direkt eine gute Nachricht: Mein erster Schultag sollte erst um 14 Uhr beginnen! Der zweite um 15 Uhr, den Mittwoch hatten wir frei, am Donnerstag war Feiertag und am Freitag hatten wir nur bis 17 Uhr Schule. 😀

1400770256057Montagmorgen stand ich schon früh auf, um rechtzeitig den Bus zu nehmen, um dann die Straßenbahn einen Ort weiter zu bekommen. Dann der erste Blick auf die Schule, „Joa, ganz schön hier“, dachte ich mir und freute mich schon, Maries Klassenkameraden kennenzulernen. Während meines Austauschs besuchte ich das Lycée Charles de Gaulle in Dijon, welches eine Internationale Schule ist, auf der man zum Beispiel das AbiBac, also deutsches und französisches Abitur machen kann.

So ging der erste Schultag auch schnell vorbei, einen großen Unterschied merkte ich nicht, nur stellte ich schnell fest, dass der Sportunterricht auch hier in Frankreich Spaß macht!Chouette

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Auf der Pont des Art in Paris

Die Woche verging schnell. Am Donnerstag haben wir zusammen die Innenstadt Dijons besichtigt und ich habe das Wahrzeichen Dijons, nämlich die „chouette“, also die Eule berührt. Denn wenn man seine linke Hand auf die Eule legt, und sich dabei etwas wünscht, dann geht dieser Wunsch in Erfüllung! Freitags nach der Schule, sind wir sofort nach Amiens gefahren, das ist eine große Stadt im Norden Frankreichs, da meine Austauschpartnerin leidenschaftlich gern fechtet und in Amiens dieses Jahr die Französischen Jugendmeisterschaften stattfanden und sie sich sowie weitere ihres Vereins für dort qualifiziert hatten. Es ist einfach nur Wahnsinn, wenn man die Halle betritt und die Kampfgeräusche hört! Links, rechts, vor und hinter mir wurde gefechtet und mein Blick war wie gebannt auf die schnellen Reaktionen der Fechter! Nach einem 20140510_092427erfolgreichen Wettkampf sind wir dann auch gleich wieder Richtung Dijon gefahren, mit einem zweitägigen Zwischenstopp in Paris!

Das war mein erstes Mal in der Hauptstadt Frankreichs und es war richtig interessant, sozusagen hatte ich eine Privatführung von meiner Gastfamilie auf Französisch, mit vielen Hintergrundinformationen!

Dann fing auch schnell die zweite Woche an, man könnte sagen, eine „normale“ Woche, ich hatte eigentlich jeden Tag den Unterricht, der auf dem Plan stand, und wenn doch einmal der Lehrer fehlte, gingen wir in das CDI. Für alle die nicht wissen, was ein CDI ist, ich erklär’s euch gerne: Ein CDI (centre de documentation et d’information) ist wie eine Bibliothek, in der man Bücher lesen und ausleihen, gleichzeitig aber auch am Computer arbeiten und im Internet surfen kann. Meistens machten sie aber Hausaufgaben und ich informierte mich über Neuigkeiten in Deutschland.20140513_095412

Halbzeit des Austauschs, und mitgleich einer der schönsten Tage in Frankreich! Mittwochs hatten wir nur 4 St

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Schon früh am Abend herrschte gute Stimmung

unden Unterricht und damit nur bis 12 Uhr Schule und wir sind nachmittags zu Maries Fechttraining gefahren, wo aber dieses Mal eine Vorführung von Behinderten-Fechtsport war. Paralympicsteilnehmer in London und zweifacher Bronzemedaillen- sowie Silbermedaillengewinner Alim Latreche brachte uns 20140514_182644das Fechten im Rollstuhl näher! Ich fands klasse!! Doch wir konnten leider nicht mehr bis zur Autogrammstunde bleiben, da wir noch weiter mussten: Abends das Highlight der Woche: der Soirée Solidaire. Eine Feier, die  in der Turnhalle des Lycées stattfand und deren Einnahmen für einen guten Zweck bestimmt waren. Organisiert wurde alles von der Schülervertretung und für das leiblische Wohl wurde bestens gesorgt. Der Abend wurde durch Tanzgruppen, Solosänger, Bands und Sketche gestaltet und war eines der schönsten Erlebnisse während meines Aufenthalts. Ich muss sagen, die Schüler und Schülerinnen haben alle super gute Talente und keiner hat daneben gesungen. 😉 Die Stimmung war toll und so tanzten wir noch bis Mitternacht zu Liedern wie „Should I stay or schould I go“, „Sweet home Alabama“ oder „Paris-Seychelles“.

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La Toison d’or

In der gleichen Woche hatte Marie auch Geburtstag, am gleichen Tag aber auch den ganzen Tag Prüfungen, die ihre Klassenstufe in ganz Frankreich macht. Also konnte ich meinen Tag nach meinen Belieben gestalten: Morgens ging ich mit ihr in die Schule und war den Vormittag im CDI, am Nachmittag ging ich dann in das Toison d’Or, ein riesiges und noch ganz neues Einkaufszentrum , wo ich den ganzen Nachmittag beschäftigt war! 😀 Dann bin ich wieder rechtzeitig zurück in die Schule und sehe ein Mädchen, ein Buch lesend, ganz alleine auf der Bank sitzen. Sie ist mir schon morgens und am Tag zuvor in der Klasse aufgefallen. Ich spreche sie auf Deutsch an und frage, ob sie auch einen Austausch macht… und ja, endlich eine Deutsche! Wahnsinnig toller Moment, wir reden fast eine Stunde lang, bis unsere Austauschpartnerinnen ihre Prüfungen hinter sich haben und wir nach Hause fahren. Und so lernte ich Lucie kennen, mit der ich einen großen Teil meines Aufenthalts im Lycée verbracht und öfter in den Freistunden zur Boulangerie (Bäckerei) gelaufen bin, um ein Baguette zu kaufen! 😀

Das letzte Wochenende in Frankreich, wir beschlossen ins Kino zu gehen und Marie lud ein paar ihrer besten Freunde ein und ich durfte den Film aussuchen. Ich entschied mich für „Divergent“ und ich fand den Film gut! Verstanden hab ich fast alles und ich kann sagen, dass man nach spätestens zwei Wochen so ziemlich alles verstehen kann, ohne dabei nachzudenken! 😉 Der Tag beendeten wir dann in der auch in Frankreich ansässigen Fastfoodkette McDonald’s, geschmeckt hat’s wie in Deutschland!

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Zweimal die Woche bin ich mit ins Fechttraining

Dann die letzte Woche und mir wird klar, dass das jetzt für mich die letzten Tage sein werden! Ich ging noch ein paar Mal mit Lucie, die mittlerweile eine wirklich gute Freundin für mich geworden ist, ins Toison oder zum Bäcker. Ich liebe einfach die französische Küche! Zwar essen die Franzosen viel und lange, aber es schmeckt! Am Mittwochabend ging ich das letzte Mal mit Marie zum Fechten, hier zog ich auch dieses Mal den Fechtanzug, Helm und Handschuhe an und bekam einen Degen in die Hand gedrückt sowie ein Stromkabel durch den Anzug. Dann suchte ich mir einen Gegner und ich schloss das Kabel an dem Kabel für die Lämpchen und an dem Degen an. Jetzt wird gefechtet! Ich hatte gewonnen, 4 zu 5, ok er hat mich sicherlich gewinnen lassen! Trotzdem war ich überglücklich und schloss mich schnell ab. Mein erster Griff ging dann auch sofort zur Wasserflasche, denn mit einem Stoffanzug so lange in einem warmen Raum bei sonnigem Wetter für fast eine viertel Stunde zu kämpfen, bringt einen zum Schwitzen und das ging zum Glück nicht nur mir so!

Das ging jetzt schnell, der letzte Tag, freitags habe ich das letzte Mal Lucie, die Austauschschülerin aus Mainz, gesehen und der Abschied fiel mir schwer! Zugleich hörte ich auch zum letzten Mal die Schulklingel, die dort in auf dem Lycée so ganz anders klingt, auf jeden Fall angenehmer als das dreißigsekündige, ohrenbetäubende Klingeln vor meinem Klassenraum hier in Deutschland!

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Bon appetit!

Freitagabend war dann somit auch gleich der kulinarische Höhepunkt: Froschschenkel und Schnecken! Es sah genauso aus, wie es schmeckte! Aber ich hab’s probiert und die Familie hat sich gefreut. Man muss auch sagen, das Marie und ihre Schwestern zum ersten Mal in solch einen Schenkel hineingebissen haben! Also Franzosen essen auch nicht häufig Schnecken und Froschschenkel, nur zu besonderen Anlässen! 

Jetzt sitze ich im Auto und bin mit meinen Gedanken noch in Frankreich, doch die ganzen deutschen Straßenschilder und das deutsche Radio lassen mich erkennen, dass drei Wochen Austausch jetzt zu Ende sind!

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Au revoir Dijon!

Große Angst hatte ich vor dem Austausch nicht, denn meine Austauschpartnerin war im Winter diesen Jahres schon bei mir. Trotzdem war ich vor allem vor der Zugfahrt angespannt und vor dem Unwissen, was mich alles in den drei Wochen erwartet! Ich kann einen Austausch, der über mehrere Wochen oder vielleicht Monate geht für offene und neugierige Schüler nur weiter empfehlen! Denn man lernt die fremde Kultur und die Sprache besser kennen, trifft nette und hilfsbereite Menschen und findet Freunde fürs Leben!

 

 

 

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