„Streitende sollen wissen, dass nie der eine ganz recht hat und der andere ganz unrecht.“ …

…behauptete einst Kurt Tucholsky. Ob es in deutschen Gerichten so zugeht, wie es uns die einschlägigen Gerichtssendungen im Nachmittagsfernsehen glauben machen wollen, oder ob ganz sachlich Recht und Unrecht der Bürger geprüft werden, darüber sollen die Neuntklässler des Gymnasiums Konz ein eigenes Urteil fällen bei ihrem obligatorischen Besuch am Landgericht Trier im Rahmen des Sozialkundeunterrichts.

Ein Bericht von Laura H., 9d

Jeden Tag begehen Menschen Straftaten. Bei dem Geschädigten muss es sich nicht zwangsläufig um eine Privatperson handeln, genauso können der Staat und damit die Allgemeinheit betroffen sein. Und in diesem Falle sollte doch das Interesse eines jeden geweckt sein, von seinen Rechten Gebrauch zu machen, um dem Täter Konsequenzen aufzuzeigen.

Aber wie läuft ein Strafprozess eigentlich ab?

Bei dem von uns verfolgten Prozess handelte es sich um eine Strafrechtssache, das heißt, es liegt eine Missachtung der im STGB (Strafgesetzbuch) verankerten Gesetze vor. Der Beschuldigte wurde wegen mehrfachen illegalen Erwerbs von Heroin angeklagt. Insgesamt erhielt er 13 Strafanzeigen – alle wegen des gleichen Delikts.

Die Gerichtsverhandlung selbst verlief dann wie folgt: Die Anklageschrift wurde seitens des Staatsanwalts verlesen und da der Angeklagte keinen Rechtsbeistand hinzugezogen hatte, äußerte er sich selbst zur Anklage. Jedoch konnte der Beschuldigte seine Argumentation für ein milderes Urteil nicht überzeugend darlegen.  Die von ihm angeführten Gründe bestanden darin, dass er seine Arbeit nicht verlieren wolle im Falle einer Freiheitsstrafe und dass er eine erneute Entzugtherapie beginnen wolle. Allerdings nachdem er die vergangenen zwei Therapien frühzeitig abgebrochen hatte und wieder rückfällig geworden war. Das vereinfachte die Urteilsfindung, denn für das Richtergremium bestand keine Veranlassung, das schon zuvor von der vorherigen Instanz festgelegte Urteil zu widerrufen, da keine neuen Argumente angeführt werden konnten, die ein geringeres Strafmaß rechtfertigen würden. Schlussendlich wurde der Angeklagte zu neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die nicht, wie er verlangt hatte, zur Bewährung ausgesetzt wurden. Die Schüler waren mehrheitlich der Meinung, dass das Urteil gerecht ausfiel, wobei manch einer für eine schwerere Strafe plädiert hätte. Die Begründungen für eine höhere Freiheitsstrafe von Seiten der Schüler waren, dass er die gleiche Straftat, zu der er bereits 12 Mal verurteilt worden war, wiederholt hatte – er zeige also keine Einsicht und auch keine Anzeichen einer Besserung.

 

Die Menschen kämpften lange Zeit für Rechte und Gesetze, die sie schützen sollten und die ein friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft erst ermöglichten. Sie können nur bestehen, wenn sie sich ihrer eigenen Grundlagen versichern – die Aufgabe der Menschen ist es, sie zu schützen, um ihrer selbst Willen.

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