Ich bin Freeganer, und du?

Essen dient heute längst nicht nur dem Sattwerden. Die einen essen sich reich, andere demonstrieren ihre politische Haltung durch ihre Essweise. Wieder andere versuchen sich durch spezielle Lebensmittel gesund oder glücklich zu essen.

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Laut einer Studie der Friedrich-Schiller-Universität ist der durschnittliche Vegetarier weiblich, jung und überdurschnittlich gut ausgebildet.

Jeder kennt wahrscheinlich in seinem Umfeld Personen, die durch bestimmte Essgewohnheiten auffallen. Der Vegetarier unter ihnen ist mittlerweile schon zur Normalität geworden. In Deutschland gibt es laut dem Vegetarierbund (VEBU) geschätzt 6 Millionen Menschen, die sich vegetarisch ernähren, weltweit beläuft sich die Zahl der Vegetarier auf rund 1 Milliarde, Tendenz steigend! War der Beweggrund zum Fleischverzicht früher meist der religiöse Glaube, geben viele Verweigerer heute eine gesündere Lebensweise und den Schutz der Natur als Motivation an.

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Die US-israelische Schauspielerin und Hauptdarstellerin im Psochothriller „Black Swan“ ist Veganerin!

Eine strengere Version ist der Veganer, da er auf alle tierischen Produkte verzichtet, also auch auf Milch, Eier, Gelatine etc.,  daher wird er auch Hardcore- Vegetarier genannt. Aus Sicht der Mediziner ist dies allerdings nicht die gesündeste Art zu leben: Der Verzicht auf tierische Produkte kann zu Nährstoffelmangel und infolgedessen zu Krankheiten führen. Viele greifen deshalb auf Nährstoffpräparate und Nahrungsergänzungsmittel zurück. Verschärft wird diese Lebensweise durch das Meiden von Woll- und Lederbekleidung und allen anderen tierischen Nebenprodukten.

Sie sind gegen Massentierhaltung, möchten die Umwelt schützen oder ihre Gesundheit verbessern – auf Fleisch verzichten wollen Flexitarier aber nicht. Statt industriellem Billigfleisch landet etwa teures Bio-Steak in der Pfanne. Kritiker werfen den „Teilzeit- Vegetariern“ jedoch vor, nur ihr Gewissen beruhigen zu wollen und nicht auf den Erhalt tierischen Lebens zu achten.

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Bilbo- Darsteller im Kinofilm „Der Hobbit“ und Pescetarier

Bei den Pescetariern heißt es: Fleisch, nein danke! Aber wie der Name dieser Menschengruppe schon verrät, essen Pescetarier (ital. pesce= Fisch) zwar kein Fleisch, aber guten Gewissens Meeresfrüchte und Fisch. Hauptsächlich wollen sie mit ihrer Essweise ein Zeichen gegen unwürdiges Halten von Landtieren setzen. Anderen schmeckt Fleisch einfach nicht oder sie wollen sich nur auf andere Art und Weise ernähren. Der Verzehr von Milch, Eier & Co ist hier erlaubt.

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Steve Jobs, Mitgründer des Hard- und Softwareherstellers Apple Inc., war seit den 70er Jahren Frutarier. Auf den Firmennamen „Apple“ ist er durch den Fruitarismus gekommen.

Der Sonderling unter den Veganern: der Frutarier. Er ist kein Fleisch, keine tierischen Produkte, er ernährt sich nur von Lebensmitteln, die bei ihrer Ernte nicht „sterben“ mussten. Das heißt: Lauch, Möhren, Kartoffeln, Fenchel usw. sind tabu. Manche der Frutarier (auch Fructarier genannt) essen nur Fallobst, also Obst, das auf natürliche Weise vom Baum gefallen ist. Dieser Lebensstil hat ethische Gründe, die meisten wollen so der Natur keinen Schaden zufügen.

Der Freeganer („free“+“vegan“, Waste Diver oder auch Müll(tonnen)taucher)  ist jemand, der auf das konsumunkritische Verhalten der heutigen Wohlstandswelt aufmerksam machen möchte. Er lebt sozusagen aus der Mülltonne, keineswegs ist diese nur mit Müll gefüllt! Für den Freeganer ist die Tonne hinter dem Discounter,der kostenlose und stets gefüllte Kühlschrank. Dass die Freeganer bei ihren nächtlichen „Tauchgängen“ auch noch viel Geld sparen, ist jedoch Nebensache. Sie wollen gegen den Strom schwimmen, der jährlich laut der Welternährungsorganisation FAO 1,3 Milliarden Tonnen genießbare Lebensmittel wegwirft. Noch ist „Containern“, wie dieser aus den USA entstandene Lebensstil genannt wird, in Deutschland illegal, denn bis zum Abtransport durch die Müllabfuhr gehört der Müll demjenigen, der ihn weggeworfen hat. Als Diebstahl kann dies jedoch nicht angesehen werden, da dem Besitzer durch das „Containern“ kein Schaden zugefügt wird. Jedoch können sich Mülltonnentaucher durch das Betreten eines Privatgrundstücks und damit wegen Hausfriedensbruch strafbar machen.

Vegetarismus, Veganismus oder Freeganismus etc. sind somit nicht nur als besondere Ernährungsweisen zu definieren, sondern zusätzlich als eigene Lebensarten oder neue Kulturen, die mehr bedeuten als gesund zu leben.

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http://www.welovefood-derfilm.de/tag/freeganer/

http://www.wastecooking.com/

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/subkultur-trend-freeganern-konsum-protest-am-muellcontainer-a-508838.html

 

 

 

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