„Ist das Mode oder kann das weg?“

Ein neuer Virus hat die Modewelt befallen. Schlaprig, hässlich, grau. Er hat sích langsam angeschlichen und greift nun rasend schnell um sich. Er scheint unbesiegbar. Selbst große Modehäuser, Designer, It-Girls – sie alle kapitulieren. Die Jogginghose ist DIE Volkskrankheit 2014.

Journelles-Jogginghose-Naketano

Das neue „It-Piece“ der Saison: Zum Einkaufen, zum Date, zum Meeting, ja sogar zur seriösen Opern-Gala trägt man nun Schlabber. Während sie die Titelseiten der Illustrierten und Modemagazine füllt und die Laufstege in den großen Modemetropolen erobert, liegt sie bei mir in der hintersten Ecke im Schrank, zerknüllt und verstaubt. Ich frage mich ganz ehrlich, wie es diese Hose geschafft hat, die Modeszene so aufzumischen und einen momentan so präsenten Trend zu schaffen, dessen Ende bislang noch in weiter Ferne liegt. Muss das wirklich sein oder brauche ich die Jogginghose, um „in“ zu sein?

, Paris Fashionweek day5

Modetrend hin oder her, irgendwann stößt  alles an eine Grenze. Selbst wenn diese Grenze nicht offiziell von der Modeindustrie gesetzt wurde, so greift doch hier die persönliche Schamgrenze. Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich habe nichts einzuwenden gegen die allgemeine Tendenz zu mehr Komfort und tragbarer, legerer Mode, in der man sich wohlfühlt. Das will aber nicht heißen, dass ich meinen Lehrer oder meinen Zahnarzt rund um die Uhr in Jogginghose antreffen will. Ein gewisses Maß an Anstand und guter Form muss doch gewahrt bleiben. Wir verbessern die Modeindustrie nicht, indem wir auf einmal alle damit anfangen, Sportkleidung rund um die Uhr zu tragen – und nebenbei bemerkt, fitter lässt es uns auch nicht werden.

Sind wir doch mal ehrlich: Die Jogginghose ist nicht mehr als eine gewöhnliche Sporthose. Für all diejenigen, denen diese Wahrheit befremdlich erscheinen mag, eine kleine Hilfestellung:

Wikipedia beschreibt das englische Wort „Jogging“ als „eine Form des Ausdauersports“ auf Zeit oder Strecke, die die allgemeine Ausdauer und Kondition fördert. Joggen gilt somit allgemein als eine sportliche Betätigung. Was eine Hose ist, muss an dieser Stelle nicht näher erläutert werden. Bringt man diese Begriffe nun zusammen, so kann die Funktion der Jogginghose nur eine sein: Der Sport.

Doch um dieser Tatsache zu entfliehen, finden sich verschiedene Möglichkeiten des Marketings und der Werbung. Zum einen durch verfälschende Namensabänderung wie Relaxhose, Alltagspanty, Comfortpants etc.. Hinter all diesen Begriffen weiß sich der Schlabber-Look erfolgreich zu verstecken. Zum anderen arbeiten Designer neben der namenhaften Manipulation mit dem Mittel der Gestaltung. So gibt es die Hose mittlerweile in allen erdenklichen Ausführungen mit Goldbesatz, Glitzer-Pailetten, Leo-Print, Streifen und, und, und…und besonders attraktiv wird sie natürlich durch den Markennamen der dick und fett über dem Allerwertesten thront.

Mit den Trends, das ist ja so eine Sache. Entweder man folgt ihnen oder man bleibt seinem eigenen Stil treu. Jeder Trend hat eine gewisse Lebensdauer, bis er dann doch wieder verschwindet, um dem nächsten, wahrscheinlich noch ausgefalleneren und peinlichen Trend Platz zu machen. Wer weiß, vielleicht ist die „Jogginghosenwelle“ ja das erlösende Mittel, um uns vor einem anderen Monstrum zu befreien, den UGG-Boots. Beide haben eines gemeinsam: Sie sind Dauerrenner, deren Anblick uns in der Öffentlichkeit eigentlich erspart bleiben sollte.

Journelles-Jogginghose-Streetstyle-Christine-Centenara-Streetpeeper

Anscheinend bin ich geimpft, doch wie lange hält die Dosis vor? Werde ich es bis zum Sommer überstehen, ohne dem Trend zum Opfer zu fallen? Ein schwieriges Unterfangen, gerade wenn einer nach dem anderen, seien es Freunde oder Familie, ihrem Bann verfällt. Jedes Wochenende kriechen die Mutanten, die ich einmal Familie nannte, aus ihren Löchern, tragen 48 Stunden lang das unförmige, die Beine verschlingende Etwas, bis es am Montagmorgen in der Wäsche landet und vorerst  wieder Ruhe herrscht.

„Ich bin normal, holt mich hier raus!“

Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen werde, doch Karl Lagerfeld, eigentlich exzentrischer und eitler Modedesigner, spricht mir aus dem Herzen: “ Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“. Wenn man es nicht einmal mehr schafft, sich halbwegs anständig zu kleiden, wenn man im Kontakt zu anderen Menschen steht, dann ist man entweder allzu überzeugt von seiner Person oder man hat es verlernt, seine eigene Würde zu wahren. Die Jogginghose ist alles andere als attraktiv und ein Aphrodisiakum ist sie schon gar nicht. Ganz im Gegenteil. Anstatt mögliche Vorzüge zu betonen, verschlingt sie alles, während ein tolles Kleid oder eine gut sitzende Jeans dem Menschen, der sie trägt, Form gibt.

Getreu dem Motto „Kleider machen Leute“ rate ich also: „Überlegt euch lieber dreimal, welchen Eindruck ihr in der Öffentlichkeit hinterlassen wollt und wie ihr von anderen Personen in eurem Umfeld gesehen werden wollt!“ Die Jogginghose sollte allerdings wieder in die Sphären zurückkehren, aus denen sie uns heimgesucht hat: Sporthalle, Fitnessstudio und hinterste Schrankecke.

Tragt ihr Jogginghose? Und wenn ja, warum und zu welcher Gelegenheit? Keine falsche Scheu, sagt eure Meinung! Ich freue mich über jeden Kommentar.

Wenn ihr anderer Meinung seid, dann schaut doch mal bei Jessica Weiß von www.journelles.de vorbei, die auf der Pro-Jogginghosen-Seite steht und ihre Gründe für das Tragen der Jogginghose nennt.

 

Alle Bilder von www.journelles.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.