Ein Tag als Rollstuhlfahrer am Gymnasium Konz

Heute wage ich den großen Selbstversuch: Im geliehenen Rollstuhl prüfe ich, wie behindertentauglich das Gymnasium Konz ist.

Es ist 7.50 Uhr und ich höre schon das Klingeln. Meine Mutter braucht aber noch einige Minuten, um mich aus dem Auto in den Rollstuhl zu heben. Sie bringt mich noch zum Haupteingang. Ab jetzt bin ich auf mich alleine gestellt.

Es ist sehr anstrengend den Rollstuhl zu fahren und zu steuern, jedoch lernte ich nach einiger Zeit mit ihm umzugehen.

Dass mich meine Mitschüler und fremde Lehrpersonen seltsam angeschaut haben, hat mich in meinem Selbstversuch nicht unterstützt, jedoch wollte ich nicht aufgeben.

In der ersten Stunde hatte ich Religion im Obergeschoss des Hauptgebäudes, also bin ich erst einmal vom Atrium über den behindertengerechten Fahrstuhl dorthin gefahren.

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Zweite Stunde Sportunterricht: Das heißt, ich muss den weiten Weg zur Sporthalle zurücklegen. Ich rolle zum Fahrstuhl, fahre hinunter ins Erdgeschoss. Von dort aus bin ich über den Schulhof gefahren, was mich viel Mühe gekostet hat, da es ein gepflasterter Boden ist. Ist das anstrengend! Danach musste ich die Straße überqueren und an der Mensa vorbei zur Sporthalle. Den steilen Berg hinabfahrend, musste ich meinen Rollstuhl bremsen, doch immerhin besser als der noch bevorstehende beschwerliche Weg nach oben zurück! Bei der Mensa habe ich mich auch gefreut eine recht breite Auffahrt zu sehen.

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Auf dem Weg zurück lege ich im Hauptgebäude einen Zwischenstopp an der behindertengerechten Toilette ein. Doch leider wird diese nicht sauber gehalten. Nicht gerade einladend!

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Weitere Hindernisse, die mir den Weg von der Sporthalle und zurück erschwert haben, sind:

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Der ganze Weg hat viel Zeit in Anspruch genommen. Auch mit viel Anstrengung ist es mir nicht gelungen, innerhalb der vorgesehenen Zeit von fünf Minuten, die Sporthalle bzw. wieder das Hauptgebäude zu erreichen.

Heute habe ich festgestellt: Das Hauptgebäude sowie die Sporthalle und die Mensa sind  behindertengerecht aufgebaut. Es war interessant für mich einen Tag als Rollstuhlfahrer zu verbringen.

Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, der sich auch das Land Rheinland-Pfalz verpflichtet fühlt, sieht die gleichberechtigte Teilhabe behinderter Menschen vor. Mit kleinen Vorbehalten kann ich sagen, dass sich unsere Schule um die Umsetzung bemüht. Und an dem steilen Berg, der den Weg zur Turnhalle behindert, kann sie sowieso nichts ändern.

Ein Erfahrungsbericht von Kaan Kabaoglu, Leon Wollscheid und Lukas Zimmermann

Quelle:

Barrierefreies Rheinland-Pfalz: http://inklusion.rlp.de/die-un-konvention/

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