Julia abroad – Highschool in Texas

“Hey! What´s up, guys??”

Mit diesem Satz wurde ich im letzen halben Jahr öfter begrüßt. Und zwar nicht in Deutschland, sondern auf einer waschechten amerikanischen High School , so wie man sie aus zahlreichen Filmen und Serien wie High School Musical, Twilight oder 90210 kennt.

Ich habe nämlich das zweite Halbjahr der 10. Klasse in Amerika, genauer gesagt in Texas verbracht, und das ganz ohne Eltern und meine deutschen Freunde. Dort bin ich als ganz normale Schülerin auf eine High School gegangen und konnte mir ein eigenes Bild vom American Way of Life machen.

Ich muss zugeben, diesen Schritt zu wagen, war in meinem Leben bisher die schwerste, aber im Nachhinein die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. In dem Moment, in dem ich die Online- Anmeldung abschickte, bekam ich zwar kalte Füße und, nachdem sich drei Wochen vor dem Abflug noch keine Gastfamilie gefunden hatte, fragte ich mich ernsthaft, ob das wohl die richtige Entscheidung gewesen sei.

Auf was hatte ich mich da eingelassen? Keine normale Person macht so etwas. Ein halbes Jahr in ein Land gehen, in dem man keine Menschenseele kennt. Aber genau das macht dieses Abenteuer doch aus, oder? Zum ersten Mal in meinem Leben waren meine Eltern nicht bei jedem kleinen Problem an meiner Seite, sondern ich war erst einmal auf mich alleine gestellt und musste alles alleine klären. Natürlich mit der Hilfe meiner Gastfamilie, bei der ich das halbe Jahr gelebt habe. Hinzu kam die sprachliche Barriere, die erst einmal überwunden werden musste. Aber wenn man nach zwei Monaten auf Englisch denkt und einem teilweise deutsche Wörter nicht mehr einfallen, wenn man in New York auf dem Times Square steht oder wenn man seine erste amerikanische Klassenarbeit mit Bravour bestanden hat, dann sind all dies nur noch Nebensächlichkeiten; das Gefühl, das man dann hat, ist einfach unbeschreiblich und macht einen unglaublich stolz.

Ich rede hier ja jetzt die ganze Zeit von Amerika. Dabei müsst Ihr wissen, dass Ihr natürlich auch in jede Menge andere Länder der Welt gehen könnt. Von Australien und Neuseeland über Südamerika und Afrika bis hin nach Kanada und in die USA – heutzutage ist fast alles möglich. Da hängt es nur noch vom Geldbeutel der Eltern, die das Ganze finanzieren müssen, und euren Vorlieben ab, denn wie Ihr Euch wahrscheinlich denken könnt, variieren die Preise für die verschiedenen Länder stark.

Wenn Ihr Euch dann für ein Land entschieden habt, solltet Ihr Euch anschließend überlegen, ob Ihr ein ganzes Schuljahr oder nur ein Halbjahr weggehen wollt. Oftmals ist es auch möglich, für nur drei Monate ins Ausland zu gehen. Dabei solltet Ihr euch darüber im Klaren sein, dass bei einem ganzen Auslandsschuljahr das Schuljahr in Deutschland wiederholt werden sollte/muss. Allerdings kann man nur, wenn man ein ganzes Jahr weg ist, auch Stipendien bekommen, bei einem halben Jahr geht das, soweit ich weiß, nicht. Bei einem halben Auslandsjahr verpasst man jedoch nicht so viel Unterrichtsstoff und man kann mit ein wenig Nachlernen fast nahtlos wieder in den Unterricht in Deutschland einsteigen.

Nachdem ihr diese Entscheidung getroffen habt, müsst ihr Euch nur noch die passende Organisation aussuchen. Da wird es dann sehr unübersichtlich, da es Organisationen wie Sand am Meer gibt. Ich bin mit AIFS gefahren und war eigentlich auch sehr zufrieden, vor allem da alles gut organisiert war und man bei frühzeitiger Anmeldung noch drei Tage in New York City geschenkt bekommt. Es gibt aber natürlich auch andere gute Organisationen wie AFS oder IST. Da müsst ihr euch einfach schlaumachen (die Preise variieren auch leicht von Organisation zu Organisation…).

Auf andere Kulturen muss man sich einlassen.
Auf andere Kulturen muss man sich einlassen.

Und wenn ihr das alles gemacht habt, fängt das unerträgliche Warten auf die Gastfamilie an, bei dem schon so mancher verzweifelt ist. Doch das ist schnell vergessen, wenn man seine Gastfamilie das erste Mal am Flughafen „ live und zum Anfassen“ sieht. Die Gastfamilien können sehr unterschiedlich sein. Meine Gasteltern waren z.B. Rentner und über 60 Jahre alt. Außerdem hatte ich eine Gastschwester aus China, die ebenfalls Austauschschülerin war, und ich muss sagen, ich kann mir das halbe Jahr ohne sie gar nicht vorstellen. Sie ist wie eine richtige Schwester und beste Freundin zugleich geworden. Und dabei habe ich gleich zwei neue Kulturen kennengelernt. Neue Kulturen kennenzulernen, ist übrigens ein „Hauptbestandteil“ eures Austauschjahres. Vor allem bei mir war es der Fall, da ich ungefähr 15 andere Austauschschüler aus verschiedenen Ländern um mich herum hatte und wir uns super gut verstanden haben. So kam es bei meiner Goodbye Party dazu, dass zehn Jugendliche mit fünf unterschiedlichen Nationalitäten zusammen Karten spielten, als sei es das Natürlichste auf der Welt, da es für uns einfach egal war, wo man herkommt, und wir einfach zusammen unseren Spaß hatten. Das sind dann die besonderen Momente, die man in seinem Leben vermutlich nicht mehr vergessen wird.

Bevor ich zum Ende komme, möchte ich euch noch die Angst vor einem solchen Auslandsaufenthalt nehmen. Vor dem ersten Schultag, dem Leben ohne die eigenen Eltern und allem, was mit einem Auslandsaufenthalt verbunden ist.

Vor dem ersten Schultag hat wohl jeder Austauschschüler Angst und das ist absolut verständlich. Schließlich entscheidet dieser Tag mehr oder weniger über eurer zukünftiges Dasein an der Schule, aber ihr müsst wissen, dass die Amerikaner supernett sind und – im Gegensatz zu den eher unfreundlichen Deutschen – sind sie super interessiert, und ich habe mich sofort wohlgefühlt .J

Von der Angst vor Heimweh kann ich ebenfalls ein Lied singen ;-). Jeder, der mich kennt, meinte immer zu mir: „Julia, du wirst aber auch mal Heimweh bekommen… was machst du denn dann?“ Und ich ließ es einfach auf mich zukommen und kann nun stolz sagen, dass ich kein einziges Mal in dem halben Jahr Heimweh hatte. Wer hätte das gedacht?!

Freunde für's Leben
Freunde für’s Leben

Also 🙂 : Angst und Nervosität gehören zu einem Auslandsaufenthalt dazu, aber sollten definitiv kein Grund dafür sein, dieses Abenteuer nicht anzugehen. Die ganzen Erfahrungen und Erlebnisse können euch nie mehr genommen werden und sind einfach wunderbar. Man wird in dieser Zeit viel selbstständiger und erwachsener. Erst im Nachhinein wird mir klar, was ich in diesem halben Jahr alles gelernt habe und welche Freundschaften ich geschlossen habe, die (hoffentlich) für ein ganzes Leben halten.

Ich hoffe, euch hat dieser Artikel gefallen und, wenn ihr interessiert seid, dann könnt Ihr mich in der Schule gerne ansprechen oder mir eine Nachricht schreiben. Vielleicht mag der eine oder andere auch auf meinem Blog vorbeischauen, den ich geschrieben habe, während ich in Amerika war. Da könnt ihr euch Bilder und all meine Erlebnisse im Land der unbegrenzten Möglichkeiten anschauen.

http://www.highschool-abroad-2013.blogspot.de/

xx,

Eure Julia

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